oder

Love & Peace (2015)

Rabu & Pîsu

Japanische Musical-Komödie: Als ein nerdiger Büroangestellter in Trauer über den Verlust seiner Schildkröte ein Lied schreibt, wird er von einem Plattenproduzenten entdeckt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
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Der nerdige Büroangestellte Ryoichi Suzuki (Hiroki Hasegawa) wird von seinen Kollegen gemobbt, im Bus und auf der Straße von Passanten ausgelacht und sogar im Fernsehen von den Moderatoren persönlich verspottet. Aufgrund seiner großen Schüchternheit traut er sich nicht, seine heimliche Liebe, seine unscheinbare Kollegin Yuko (Kumiko Aso) anzusprechen, obwohl diese offensichtlich auch etwas für Ryoichi empfindet. Stattdessen ersteht er bei einem geheimnisvollen Verkäufer eine kleine Schildkröte, die er aufgrund einer Fernsehsendung auf den Namen "Pikadon" tauft. Später wird in der selben Sendung klargestellt, dass mit diesem Ausdruck ursprünglich die auf Japan abgeworfenen Atombomben bezeichnet wurden. Schnell wird die kleine Schildkröte zu Ryoichis einzigem und besten Freund und stetigen Begleiter - sogar zur Arbeit nimmt er Pikadon mit. Als dies von seinen Kollegen entdeckt wird, kommt es zur nächsten üblen Mobbing-Attacke. Diese führt dazu, dass Ryoichi in seiner Verzweiflung Pikadon das Klo hinunterspült. Pikadon landet in Tokios Kanalisation in einem Asyl für von ihren Besitzern weggeworfenes Spielzeug, Puppen, Stofftiere und ausgesetzte Haustiere. Dieses wird betreut von einem Alkoholiker und Magier (Toshiyuki Nishida). Dieser verabreicht jedem Neuankömmling einen Bonbon, durch den er sprechen kann. Nur Pikadon bekommt einen Bonbon das Wünsche erfüllen kann. Währendessen hat Ryochi ein Lied über Pikadon geschrieben. Als er dieses gemeinsam mit einer Punkband auf der Straße singt, wird das Lied für einen Protestsong gehalten und Ryoichi von einem Plattenproduzenten entdeckt ...

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Sion Sonos Musical-Komödie "Love & Peace" feierte auf der 16. Nippon Connection in Frankfurt am Main seine Deutschlandpremiere. Auf dem Festival war ebenfalls der fast meditative Science-Fiction-Film "The Wispering Star" vom gleichen Filmemacher zu sehen. Diese so extrem unterschiedlichen Filme stammen erstaunlicherweise beide aus dem Jahr 2015. Aber auch dies ist erst ein Teil der Wahrheit: Insgesamt hat der Regieberserker in diesem Jahr sage und schreibe fünf Kinofilme und einen Fernsehfilm gedreht. Bei solch einer Quantität könnte man annehmen, dass dies auf der Kosten der Qualität ginge. Davon kann jedoch keine Rede sein: Sowohl "The Wispering Star" als auch "Love & Peace" gehören zum Besten, was Sion Sono bislang gemacht hat!

Hierbei ist "Love & Peace" mindestens so grotesk, wie es die Inhaltsbeschreibung zum Film vermuten lässt. Und trotzdem gelingt es dem anarchischen Auteur mit diesem Film besser, als mit jedem seiner vorherigen Werke den Zuschauer bis zum Ende mitzunehmen und zu begeistern. Dies liegt sicherlich zu einem großen Teil daran, dass "Love & Peace" über weite Strecken tatsächlich genauso zuckersüß ist, wie der Titel ahnen lässt. Während in vielen anderen Werken Sonos eine äußerst morbide Stimmung vorherrscht, ist "Love & Peace" zwar extrem krude, kitschig, skurril und over-the-top, dabei jedoch zugleich so herzerwärmend schön, wie eine japanische Version von "Die fabelhafte Welt der Amélie" (2001). - Wohlgemerkt handelt es sich hierbei um die Singende-Schildkröten-Godzilla-Version von Jean-Pierre Jeunets bezauberndem modernen Märchen ...

Einen großen Teil zum grandiosen Gelingen der extrem durchgeknallten - und sämtliche Geschmacksgrenzen sprengenden - Geschichte hat Hiroki Hasegawa in der Rolle des Protagonisten Ryoichi Suzuki: Schwer beeindruckend ist dessen geglückte Metamorphose vom extrem weinerlichen und neurotischen Bürohengst zum arroganten und strahlenden Popstar "Wild Ryo". Brüllend komisch sind Szenen, wie das diesen Wandel markierende, erstmalige Singen der Punkschulze "Pikadon". Der Gipfel des Kitsches und zugleich absolut herzzerreißend ist es auch, wenn das zur riesigen (Plastik-) Schildkröte herangewachsene Haustier plötzlich mit großen Kulleraugen für Ryo ein Liedchen anstimmt. "Love & Peace" ist so viel mehr, als die Summe seiner Teile und verströmt einen Zauber, den man selbst erlebt haben muss. - Das Publikum bei der 16. Nippon Connection reagierte mit begeisterten Applaus.

Fazit: Absolut wahnwitzig und eine groteske Orgie des schlechten Geschmacks ist dieser bizarre Croud-Pleaser zugleich ein herzzerreißender Geniestreich.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Japan
Jahr: 2015
Genre: Drama, Komödie
Länge: 117 Minuten
Regie: Shion Sono
Darsteller: Kumiko Aso als Terashima, Yuko, Motoki Fukami als Tanaka, Toru, Suidôbashi Hakase

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