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Kritik: Fado (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ausgerechnet nach Lissabon, der Wiege der melancholischen Fado-Musik, flüchtet sich der introvertierte junge Berliner Fabian, der ein massives emotionales Problem mit sich herumschleppt. Er will sich mit seiner großen Liebe Doro versöhnen und hofft, dass ihm seine Eifersucht nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Der Regisseur Jonas Rothlaender ("Familie haben"), der gemeinsam mit Sebastian Bleyl das Drehbuch schrieb, hüllt das spannungsgeladene Drama in eine Atmosphäre leiser, wortkarger Beiläufigkeit. Die Inszenierung führt den Zuschauer in ein Rätselspiel, in dem er manchmal nicht mehr zwischen der Realität und der sich verselbstständigenden Fantasie des Helden unterscheiden kann.

Zunächst wirkt der von Golo Euler als sympathischer, etwas sensibler Mann gespielte Fabian ganz normal. Vielmehr scheint es wirklich, als wolle ihm Doro die wahre Natur ihrer Beziehung mit dem portugiesischen Kollegen Francisco verheimlichen. Dieser sitzt beispielsweise allein mit ihr im Auto und sagt, dass er sie vermisse. Andererseits, warum sollte Doro den Freund hintergehen wollen, mit dem sie gerade wieder glücklich zusammen ist? Aus dem Paar selbst wird man nicht wirklich schlau, denn seine Spezialität ist die Verschlossenheit. Abrupt kann die Stimmung kippen und dann wirft der eine dem anderen irrationales Verhalten vor. Mit der Zeit aber verdichten sich die Hinweise, dass mit Fabian etwas nicht stimmt. Wenn er die große Monsterwelle, an die er oft denkt, tosen hört, könnte man fast meinen, er steuere auf eine Geisteskrankheit zu.

Aber so will das Drama wohl gar nicht interpretiert werden, das bewusst labyrinthisch konstruiert ist. Es geht nur darum, die Wucht von Fabians Eifersucht aufzuzeigen und seinen fehlenden Einblick in die eigenen Gefühle. Der Zuschauer soll selbst erleben, wie es ist, wenn man seinen Augen nicht trauen kann, weil sie überall den falschen Hinweisen folgen. Es fehlt nicht an Bildern voller Symbolik, selbst die Anfangsszene mit der fehlgeschlagenen Wiederbelebung kann als Prophezeiung gedeutet werden. Die unvermittelten Schnitte erschweren die Orientierung und wirken sogar amateurhaft. Mag ja sein, dass auch die anderen Charaktere nur so eingekapselt erscheinen, weil Fabian sie nicht besser wahrnehmen kann. Aber gegen die vielen Leerstellen in den Begegnungen hat dann auch die malerische, schwermütige Schönheit Lissabons kein Patentrezept.

Fazit: Das verhaltene, rätselhafte Drama über ein deutsches Paar in Lissabon stimmt ein gar traurig Lied von der Liebe an. Der junge Regisseur Jonas Rothlaender führt am Beispiel eines krankhaft eifersüchtigen Mannes warnend vor, was passieren kann, wenn man sich vor sich selbst und anderen verschließt. Mit ihrem ebenfalls introvertierten Stil aber nimmt die Inszenierung die Charaktere zu sehr an die Leine und hindert sie daran, dem Zuschauer den labyrinthischen Parcours zu erleichtern.





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