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Kritik: Harmony (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Harmony" war neben "The Empire of Corpses" gleich die zweite Anime-Verfilmung eines Romans des verstorbenen japanischen Sci-Fi-Autors mit dem Künstlernamen Projekt Itoh, die auf der 16. Nippon Connection ihre Deutschlandpremiere feierte. "Harmony" entstand unter der Regie von Takashi Nakamura sowie des in Japan lebenden Amerikaners Michael Arias. Nakamura war vor seiner eigenen Regiekarriere unter anderem leitender Animator bei dem berühmten Cyberpunk-Anime-Klassiker "Akira" (1988). Arias hatte in den USA bei Filmen wie "The Abyss" (1989) kleinere Aufgaben übernommen, bevor er nach Japan ging, um das "Matrix"-Spin-off "The Animatrix" zu produzieren. Arias war auch bei der Deutschlandpremiere von "Harmony" in Frankfurt anwesend, wollte jedoch selbst nicht viel direkt zum Film sagen.

"Harmony" entfaltet eine dystopische Zukunftsvision, die an Aldous Huxleys Klassiker "Schöne neue Welt" (1932) erinnert: Die Menschen sind gesund und glücklich, werden jedoch durch Pharmaka ruhiggestellt und von einer kontrollierenden Oligarchie dumm gehalten. Doch was vor knapp 80 Jahren noch eine finstere Zukunftsvision war, ist heute zu weiten teilen längst Teil unserer Realität. So schluckt in den USA längst jeder zehnte Bürger regelmäßig Antidepressiva - aber seltener im Rahmen einer Psychotherapie, als zum reibungslosen Funktionieren als Rädchen in Getriebe. Zudem hält "Harmony" der netten japanischen Gesellschaft einen hässlichen Spiegel vor: So betont Toan immer wieder, dass sie lieber in abgelegenen Wüstengebieten arbeitet, als in Japan zu leben, wo der allgemeine Zwang zur Freundlichkeit die Menschen ersticken würde.

Diese gesellschaftliche und philosophische Diskussion steht im Zentrum von "Harmony". Im Gegensatz zu "The Empire of Corpses" ist diese Geschichte von Projekt Itoh nicht mit zu vielen - und zu vielen aufgesetzt wirkenden - Elementen überfrachtet. So ist "Harmony" ein reinrassiger Sci-Fi-Film, der zudem sehr schön - aber trotzdem verhältnismäßig dezent - animiert wurde. Statt wilder Action, gibt es hier hitzige Debatten und statt Köpfen, fliegen Argumente mit Köpfchen durch die Luft. Bei einer Laufzeit von fast zwei Stunden kann dies von Zeit zu Zeit auch schon einmal ein wenig Zuviel des Guten werden. Für zumeist ausreichende Spannung sorgt jedoch die Einbettung des Ganzen in eine recht klassische Detektivgeschichte, um die Aufklärung verschiedener Todesfälle.

Fazit: "Harmony" ist intelligente Sci-Fi für Erwachsene, die zeigt, dass aus Japan stammende Animationsfilme eine gute Alternative zu den zuckersüßen und quietschbunten US-3D-Produktionen sind.





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