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Harmony (2015)

Hâmonî

Japanischer Animationsfilm: In der nahmen Zukunft kontrolliert die WHO der Gesundheit zuliebe die gesamte Menschheit. Als es zu einer globalen Selbstmordserie kommt, ermittelt die WHO-Mitarbeiterin Toan die Ursachen dieser Katastrophe.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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In nicht allzu ferner Zukunft arbeitet die junge Toan für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Krisengebieten auf der gesamten Welt. Sie tut dies jedoch nicht aus Überzeugung, sondern weil diese Randzonen die einzigen noch verbliebenen Gebiete sind, in denen sie nicht - wie beispielsweise im heimatlichen Japan - streng kontrolliert wird. Denn die WHO opfert ihrer umfassenden medizinischen Versorgung die Freiheit der Menschen. Dieser Zustand einer globalen Überwachung könnte noch viel weiter getrieben werden, als eine gewaltige Welle von Selbstmorden um den Globus geht. Die Suche nach den wahren Ursachen dieser verheerenden Katastrophe führt Toan zurück zu Ereignissen in ihrer Jugend und direkt hinein ins unerbittlich pochende Herz der Finsternis.

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Harmony


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Harmony" war neben "The Empire of Corpses" gleich die zweite Anime-Verfilmung eines Romans des verstorbenen japanischen Sci-Fi-Autors mit dem Künstlernamen Projekt Itoh, die auf der 16. Nippon Connection ihre Deutschlandpremiere feierte. "Harmony" entstand unter der Regie von Takashi Nakamura sowie des in Japan lebenden Amerikaners Michael Arias. Nakamura war vor seiner eigenen Regiekarriere unter anderem leitender Animator bei dem berühmten Cyberpunk-Anime-Klassiker "Akira" (1988). Arias hatte in den USA bei Filmen wie "The Abyss" (1989) kleinere Aufgaben übernommen, bevor er nach Japan ging, um das "Matrix"-Spin-off "The Animatrix" zu produzieren. Arias war auch bei der Deutschlandpremiere von "Harmony" in Frankfurt anwesend, wollte jedoch selbst nicht viel direkt zum Film sagen.

"Harmony" entfaltet eine dystopische Zukunftsvision, die an Aldous Huxleys Klassiker "Schöne neue Welt" (1932) erinnert: Die Menschen sind gesund und glücklich, werden jedoch durch Pharmaka ruhiggestellt und von einer kontrollierenden Oligarchie dumm gehalten. Doch was vor knapp 80 Jahren noch eine finstere Zukunftsvision war, ist heute zu weiten teilen längst Teil unserer Realität. So schluckt in den USA längst jeder zehnte Bürger regelmäßig Antidepressiva - aber seltener im Rahmen einer Psychotherapie, als zum reibungslosen Funktionieren als Rädchen in Getriebe. Zudem hält "Harmony" der netten japanischen Gesellschaft einen hässlichen Spiegel vor: So betont Toan immer wieder, dass sie lieber in abgelegenen Wüstengebieten arbeitet, als in Japan zu leben, wo der allgemeine Zwang zur Freundlichkeit die Menschen ersticken würde.

Diese gesellschaftliche und philosophische Diskussion steht im Zentrum von "Harmony". Im Gegensatz zu "The Empire of Corpses" ist diese Geschichte von Projekt Itoh nicht mit zu vielen - und zu vielen aufgesetzt wirkenden - Elementen überfrachtet. So ist "Harmony" ein reinrassiger Sci-Fi-Film, der zudem sehr schön - aber trotzdem verhältnismäßig dezent - animiert wurde. Statt wilder Action, gibt es hier hitzige Debatten und statt Köpfen, fliegen Argumente mit Köpfchen durch die Luft. Bei einer Laufzeit von fast zwei Stunden kann dies von Zeit zu Zeit auch schon einmal ein wenig Zuviel des Guten werden. Für zumeist ausreichende Spannung sorgt jedoch die Einbettung des Ganzen in eine recht klassische Detektivgeschichte, um die Aufklärung verschiedener Todesfälle.

Fazit: "Harmony" ist intelligente Sci-Fi für Erwachsene, die zeigt, dass aus Japan stammende Animationsfilme eine gute Alternative zu den zuckersüßen und quietschbunten US-3D-Produktionen sind.




Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Japan
Jahr: 2015
Genre: Science Fiction, Animation
Länge: 119 Minuten
Regie: Michael Arias, Takashi Nakamura

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