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Kritik: Welcome to Norway (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Gedreht wurde die norwegische Komödie bereits wenige Monate vor der Flüchtlingskrise im vergangenen Herbst, aber sie trifft die Probleme punktgenau, die aus dem Zustrom von Asylsuchenden erwachsen, für die es mancherorts weder angemessene Unterkünfte, noch nennenswerte Integrationsmaßnahmen gibt. Schon die Bilder mit den ratlos wirkenden arabischen und afrikanischen Neuankömmlingen vor diesem einsamen Gehöft im Schnee, das noch eine halbe Baustelle ist, sprechen Bände. Der Hotelbetreiber Primus ist aber der Meinung, dass der Flüchtling an sich dankbar sein muss. Seine Sympathien gelten nicht den Menschen, sondern dem Umstand, dass sie sich als Cashcow für staatliche Gelder nutzen lassen. Regisseur und Drehbuchautor Rune Denstad Langlo schlägt aus den unvereinbaren Mentalitäten der Gäste und ihres Gastgebers zündende satirische Funken.

Primus ist trotz seiner unkorrekten Einstellung ein relativ sympathischer Verlierertyp, der aufgrund seiner hochfliegenden Träume immer die Bodenhaftung einbüßt. Sein Optimismus ist sein größtes oder sogar einziges Talent. Seine Frau meckert nur noch, seine Tochter nimmt empört eine junge Libanesin bei sich im Familienhaus auf, damit sie nicht durchs Fenster in ihr Zimmer steigen muss. Primus hat niemanden, der zu ihm hält – von der jungen Sozialarbeiterin, die sich an ihn ranschmeißt, einmal abgesehen. Jede der vielen Komplikationen, die ihn erwarten, muss er notdürftig und hektisch kaschieren. Dabei knüpft er an die ehrenwerte Tradition umtriebiger Antihelden an, die bis zurück ins Zeitalter der slapstickreichen Stummfilme reicht.

Aber auch die Flüchtlinge werden satirisch unter die Lupe genommen: Moslems wollen das Zimmer nicht mit Christen teilen, Schiiten nicht mit Sunniten usw. Manche fordern gar eine Playstation. Aber am Ende richtet der Film sein kritisches Augenmerk doch klar auf den fragwürdigen Umgang der Behörden mit diesen Menschen, welche die Abschiebung oder eine jahrelange Unterbringungstournee erwartet.
Der trockene skandinavische Humor bekommt in den pointierten Dialogen zuweilen eine scharfe Note, die aber durch die possenhafte Handlung wieder austariert wird. Von einigen Längen zwischendurch abgesehen, bereitet Primus' amateurhafte "Wir schaffen das"-Übung und seine allmähliche Wiederentdeckung des eigenen Herzens ein durchaus kabarettistisches Vergnügen.

Fazit: Die norwegische Komödie nimmt die Willkommenskultur im verschneiten Norden Europas satirisch scharf unter die Lupe. Ausländerfeindlichkeit, Bürokratismus und ein unfähiger Hotelier, der das Geschäft seines Lebens wittert, treffen auf eine bunt gemischte Flüchtlingsschar mit zum Teil falschen Erwartungen und religiösen Differenzen. Der possenhafte Herbergsvater und seine Abenteuer sind auf kabarettistische Weise witzig und die Dialoge haben oft einen hohen Realitätsgehalt, weil die Figuren kein Blatt vor den Mund nehmen.





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