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Wrong Elements
Wrong Elements
© Neue Visionen

Kritik: Wrong Elements (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser Dokumentarfilm über ehemalige Soldaten der ugandischen Rebellenarmee LRA ist das Regiedebüt des Schriftstellers Jonathan Littell ("Die Wohlgesinnten"). Littell arbeitete lange für eine Hilfsorganisation in verschiedenen Kriegsgebieten. Er schrieb auch Zeitungsreportagen über die LRA und vom Kriegsschauplatz Syrien. An den jungen Menschen, die noch als halbe Kinder von der LRA entführt und zum Töten gezwungen wurden, interessierte ihn dieser Doppelstatus als Opfer und Täter. Wie soll es möglich sein, solche Menschen zur Verantwortung zu ziehen, und wie gehen sie selbst mit ihren Erinnerungen um?

Littell lässt Geofrey und seine Freunde in Voice-Over erzählen und stößt für sie eine Art Vergangenheitsbewältigung an. So begleitet er Geofrey, Mike und Nighty auf eine Fahrt in den Sudan, wo sie einst mit der LRA im Busch lebten. Er hört ihren Gesprächen am Platz des alten Lagers zu. Er stellt Fragen, bohrt nach, geht mit Geofrey, der heute als Motorrad-Taxifahrer arbeitet, zum Ort eines Massakers. Dort stellt sich Geofrey dem Dialog mit einer Frau, deren Söhne von der LRA ermordet wurden, vielleicht sogar von Geofrey selbst. Geofrey gibt sich die meiste Zeit Mühe, wie ein ganz normaler, fröhlicher junger Mann zu wirken, aber seine Worte kreisen um schreckliche Dinge. Die beiden jungen Frauen, die nun auch Mütter sind, können ihre seelische Belastung klarer benennen. Äußerlich in die Gesellschaft wieder integriert, sitzen Geofrey und seine Leidensgenossen innerlich zwischen allen Stühlen, fragen sich, ob die Ziele der LRA so falsch waren und suchen aneinander Halt. Durch gelegentliche Texteinblendungen und Äußerungen scheint der chaotische Hintergrund einer Politik von Vertreibungen, Gegenbewegungen und Racheaktionen auf, der die ländliche Bevölkerung und ihre Jugend schutzlos ausgeliefert war.

Littell hat das Bildformat 4:3 gewählt und bleibt eng bei seinen Protagonisten. Auch die Naturaufnahmen im Dschungel oder in der Steppe, die Straßenszenen, die zu klassischer Orchestermusik aufgeblättert werden, zielen darauf ab, eine spannungsgeladene Undurchsichtigkeit zu vermitteln. Mit ihrem inneren Drama, ihren ungelösten Fragen bleiben diese ehemaligen Rebellen allein. Littell gelingt es nicht immer, aussagekräftige Bilder zu finden, oft dehnen sich die Beobachtungssequenzen unergiebig in die Länge und seine eigene Fragestellung bleibt dabei unklar. In der Arbeit mit dem Medium Film wirkt der Schriftsteller und Kriegsbeobachter zwar engagiert, aber noch ziemlich unerfahren.

Fazit: Das Regiedebüt des Schriftstellers Jonathan Littell ist ein bewegender Dokumentarfilm über in ihrer Jugend entführte Ex-Mitglieder der ugandischen Rebellenarmee LRA. Am Beispiel dieser Menschen, die zugleich Opfer und Täter sind, führt der Film vor, wie die gängigen Maßstäbe von Moral und Verantwortung in der Praxis versagen können. Obwohl die innere Zerrissenheit der Protagonisten berührt, sind die filmischen Szenen nicht immer ergiebig und zielführend.





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