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Zum Verwechseln ähnlich
Zum Verwechseln ähnlich
© Neue Visionen

Kritik: Zum Verwechseln ähnlich (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dass ein weißes Ehepaar ein dunkelhäutiges Kind adoptiert, ist nichts Ungewöhnliches. Ein weißes Baby mit schwarzen Adoptiveltern aber dürfte selbst in einer multikulturellen Stadt wie Paris noch für Irritationen sorgen. Aus dieser Prämisse strickt der Regisseur und Hauptdarsteller Lucien Jean-Baptiste eine gutgelaunte Komödie, die sich Gedanken über diverse mit der Hautfarbe verbundene gesellschaftliche Vorurteile macht. Dabei geht es dem Regisseur weniger darum, manifesten Rassismus oder soziale Ungleichheit anzuprangern. Sein Ansatz bleibt spielerisch und versöhnlich und nimmt eher die überkommenen Denkgewohnheiten von Menschen ins Visier, die es im Grunde nicht böse meinen.

Allerdings ist diese Madame Mallet vom Jugendamt schon der personifizierte Argwohn diesen glücklichen Adoptiveltern gegenüber. Irgendwie scheint sie zu meinen, dass der weiße Junge vor fremden kulturellen Einflüssen oder dem Unverständnis Salis und Pauls in Bezug auf seine Bedürfnisse geschützt werden muss. Die von Aïssa Maïga als sehr sanftmütig dargestellte Sali fällt bald in eine Art Wochenbettdepression, obwohl sie gar nicht entbunden hat. Sehr dünnhäutig registriert sie, dass ihr niemand die Mutterrolle für das weiße Baby abnehmen will.

Leider hat der Regisseur kein besonderes Händchen für komödiantisches Timing und so schöpft er das lustige Potenzial verschiedener Situationen nicht optimal aus. Exemplarisch dafür ist der Moment, in dem die Kinderärztin mental die Existenz dieses Mutter-Sohn-Gespanns verarbeitet hat und ins Wartezimmer hinein fragt, wer nach Sali drankommt. Wieder erwartet sie eine Überraschung, aber es lag zu wenig Argwohn in ihrer Frage, um daraus eine Pointe zu stricken. Generell sind die schauspielerischen Leistungen nicht sehr überzeugend und bleiben oberflächlich wie in einer Comedyshow. Dennoch bekommt das Paar mit Pauls weißem, schluffigem Kumpel Manu (Vincent Elbaz) einen sympathischen Sidekick zugeordnet. Auch die Idee, die Vorbehalte von Salis schwarzen Eltern gegenüber einem Kind mit weißer Hautfarbe zu thematisieren, ist an sich interessant. Nur wirken diese Konflikte weniger echt, als hauptsächlich zu dem Zweck konstruiert, sie alsbald in Wohlgefallen aufzulösen. Etwas mehr Biss hätte dieser Komödie nicht geschadet, die entweder nicht den Mut oder nicht den Wunsch hatte, ihr Thema kontroverser anzupacken.

Fazit: Die französische Komödie von Regisseur Lucien Jean-Baptiste, der auch die Hauptrolle des Adoptivvaters spielt, macht sich über das Schubladendenken lustig, indem sie das gängige Adoptionsmodell mit weißen Eltern und dunkelhäutigem Kind umkehrt. Das schwarze Paar, das in Paris ein weißes Baby in die Arme schließt, hat nicht mit den ungläubigen bis misstrauischen Reaktionen der Umgebung und der Ablehnung der schwarzen Großeltern gerechnet. Die Geschichte bleibt jedoch auf versöhnlichem Kurs durch eher seichtes Fahrwasser und achtet dabei nicht immer genug auf komödiantisches Timing.





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