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Kritik: Der Schatz (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der neue Film des rumänischen Regisseurs und Drehbuchautors Corneliu Porumboiu ("Police, Adjective") ist eine köstliche, lakonische Satire auf den Versuch des kleinen Mannes, sich seinen Platz im Weltgetriebe zu sichern. Die Frage nach der persönlichen Identität und Selbstbestimmung soll wie so oft anhand von Besitzverhältnissen geklärt werden. Adrian ist aufgrund der Finanzkrise pleite. Seine Vorfahren wurden nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet. Nach der Wende bekam die Familie ihr dörfliches Anwesen zurück, allerdings in marodem Zustand. Aber der Urgroßvater hatte womöglich in weiser Voraussicht sein Vermögen vor den Kommunisten versteckt, um es den Nachkommen zu sichern. So steht nun die Schatzsuche zweier erwachsener Männer metaphorisch für die Auseinandersetzung mit dem geschichtlichen Erbe der Gesellschaft. Satirisch wird sie aufgrund ihres naiven Kerns und der Unsicherheit der beiden Männer, ob sie den Schatz, sollte er existieren, dann auch tatsächlich behalten dürfen.

Im Tonfall und in der visuellen Gestaltung ist Porumboius Film ein typischer Vertreter des neuen rumänischen Kinos. Costi und Adrian tasten sich wie moderne Abenteurer an ihre Mission heran, voller Misstrauen den Behörden gegenüber. Das erweist sich als berechtigt, denn sie erfahren, dass man dem Staat alles deklarieren muss, was möglicherweise Kulturerbe sein könnte. Keiner von beiden blickt in der Materie wirklich durch, neuen Interpretationen und Wendungen sind Tür und Tor geöffnet. Auch der Metallsucher kennt sich nicht wirklich aus, wie seine beiden Geräte funktionieren, aber er verbirgt seine Unsicherheit wie die beiden Auftraggeber hinter lässiger Fachsimpelei. So entwickelt vor allem die auf dem ländlichen Grundstück spielende Passage eine herrliche Situationskomik, in der das ständige Piepen des Detektors wie ein spöttischer Kommentar auf das Geschehen wirkt.

Die Protagonisten sind stets ernst, was die Absurdität mancher Situationen, etwa wenn ein Dieb als Experte herbeigerufen wird, schön herausarbeitet. Die Kamera ist wie so oft im rumänischen Film der Nachwendezeit zumeist statisch und überlässt den Protagonisten die Bewegung im Raum. Das verleiht dem Geschehen eine sehr authentische Note, die die Aufmerksamkeit auf die Personen und ihre Gefühle lenkt. Am Ende wartet die Geschichte mit einer rätselhaften Wende auf, bis dahin aber ist sie einfach nur hinter ihrer unscheinbaren Fassade mit verblüffend viel Witz und Spannung gefüllt.

Fazit: Der rumänische Filmemacher Corneliu Porumboiu befasst sich in dieser vergnüglichen kleinen Posse mit den Spuren, die die wechselhafte Vergangenheit seines Landes im Bewusstsein der Bewohner hinterlassen hat. Genauer gesagt, lässt er zwei Männer auf einen kostbaren Besitz hoffen, der den Kommunismus überdauert hat. In ruhigen Einstellungen und mit gutem Gespür für Komik vertieft sich die Inszenierung in die mit technischem Gerät betriebene Schatzsuche und die Gespräche, die sich in ständig neue Probleme verstricken.





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