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Kritik: Loving (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In Amerika gilt der 12. Juni als "Loving Day". An diesem Tag wird an das historische Urteil des Supreme Courts von 1967 erinnert, welches das Verbot einer Eheschließung zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe für verfassungswidrig erklärte. Regisseur Jeff Nichols ("Take Shelter – Ein Sturm zieht auf") hat die Geschichte des Ehepaars Richard und Mildred Loving zu einem stillen und sehr eindringlichen Drama verfilmt, das tief in die Atmosphäre der 1950er und 1960er Jahre eintaucht.

Auf dem Land in Virginia sind die Familien von Richard und Mildred Nachbarn. Man arbeitet zusammen, hilft sich gegenseitig. Richard arbeitet als Maurer, er ist kein Mann vieler Worte. Als er Mildred das Grundstück im Grünen zeigt, auf dem er ihnen beiden ein Haus bauen will, schaut sie nicht freudig, sondern besorgt drein. Schon da macht sich die immense Bedrückung bemerkbar, die sich über das Leben dieses Liebespaars legt. Sie rührt aus dem Bewusstsein, dass jeder Schritt, jede Selbstverständlichkeit, die sie sich erlauben, in Virginia ein illegaler Akt ist. Für einen Spielfilm ist diese wortkarge, schwere Stimmung ungewöhnlich, weil ihr der Glamour fehlt, aber sie gibt wohl genau das Lebensgefühl wieder, das Richard und Mildred tagtäglich begleitete.

Mildred macht im Laufe dieser Geschichte eine spannende Entwicklung durch. Anfangs ist sie noch die Frau, die ihrem Mann die Entscheidungen überlässt, aber spätestens mit dem Brief an Robert Kennedy ergreift sie die Initiative. Sie lenkt ihre Familie in den selbstbewussten Widerstand gegen den Staat Virginia, holt sogar die Presse ins Haus, während Richard immer reservierter, zaghafter wird. Die Ungewissheit und das diffuse Gefühl der Bedrohung werden für die Beiden zur Zerreißprobe. Es gelingt dem Regisseur und den beiden Hauptdarstellern, das sehr bewegend herauszuarbeiten.

Beim Eintauchen in den Alltag dieses Paares vergisst man beinahe, dass es sich letztlich um eine Erfolgsgeschichte handelt. Nicht nur Richard ist wortkarg, auch seine hart arbeitende Mutter spricht wenig. Die Leute sind arm in dieser Gegend von Virginia, das Leben bietet wenig Freuden, und doch gibt es für Mildred keinen schöneren Ort, um ihre Kinder aufwachsen zu sehen. Diese beiden Menschen werden nicht zu strahlenden Heroen stilisiert, aber sie gehen ihren schweren Weg stets im Bewusstsein, dass die Stimme ihrer Herzen die richtige ist.

Fazit: Jeff Nichols taucht mit der Geschichte des Ehepaars Richard und Mildred Loving tief in die Atmosphäre der 1950 und 1960er Jahre in Amerika ein und erinnert daran, wie schwer die Bürgerrechte erkämpft werden mussten. Der weiße Mann und die afro-amerikanische Frau, die der Stimme ihres Herzens folgen, ziehen sich mit ihrer Heirat die Gegnerschaft des Bundesstaats Virginia zu und gehen einen steinigen Weg bis zum Obersten Gerichtshof der USA. Das eindringliche Drama arbeitet die emotionale Belastung überzeugend heraus, die dieses starke Paar über Jahre hinweg aushält, weil es sich nicht aufgeben will.





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