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Ben Berlin - Aus diesem Trallala kommst du nicht raus
Ben Berlin - Aus diesem Trallala kommst du nicht raus
© P'Artisan Filmproduktion GmbH

Kritik: BErliN - Aus diesem Trallala kommst du nicht raus (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Ben Wagin gilt als Berliner Original. Während andere Künstler ihre Werke in Museen und Galerien unterbringen wollen, geht er mit seinen Installationen und Aktionen hinaus in die Stadt. Seit über fünfzig Jahren hat er den öffentlichen Raum auf diese Weise mitgestaltet. Der Dokumentarfilm von Sobo Swobodnik ("Unplugged: Leben Guaia Guaia") und Pantea Lachin liefert ein lebendiges Porträt dieses ungezähmten Freigeists. Anders als zu erwarten gewesen wäre, rekapituliert der Film dabei nicht den Werdegang dieses Kreativen, dessen Autobiografie "Nenn mich nicht Künstler" heißt. Sondern er schaut Wagin beim täglichen Schaffen zu, lauscht seinen spontanen Erzählungen und holt Statements von Berliner Politikern und Kunstexperten ein.

Klaus Töpfer, Rita Süßmuth, Monika Grütters und andere würdigen Ben Wagins Kunstinstallationen in der Stadt. Gäbe es zum Beispiel sein "Parlament der Bäume" im Regierungsviertel nicht, sähe die Stadt heute dort auf modern getrimmt aus. Die Mauerteile und die Steine mit den eingravierten Namen der Mauertoten halten die Erinnerung wach, sichern ihr einen authentischen Ort. Im Film sieht man Wagin öfter im Gespräch mit Kindern und Jugendlichen, die wissen wollen, auf welchem Boden sie stehen, neugierig auf die Botschaften des Künstlers sind. Die Filmemacher erklären selbst nichts, so dass viele ihrer Beobachtungen wie Schnappschüsse wirken, bruchstückhaft. Über die Vergangenheit, über die Frauen, über das Wesen der Kunst spricht Wagin höchstens en passant, aber dann gerne mit Humor. Wichtiger ist ihm offenbar das Hier und Jetzt, das Werkeln und Erschaffen, das Gießen der Pflanzen und das Betrachten eines Schmetterlings am Fenster.

Stilistisch passt sich der Film auf interessante Weise dem Subjekt an. Die Statements Dritter werden stets in Schwarz-Weiß hineingeschnitten, wie um ironische Distanz zum Expertentum aus Politik und Kunstbetrieb zu demonstrieren. Mal kocht Wagin einen Pflanzensud, um Farbe zu gewinnen, mal verstreut er trockene Ginkgoblätter, oder verwandelt seine eigene Hand in eine Plastik. Dazwischen schneiden die Filmemacher Szenen aus einer Klinik, wo er an der Hand operiert wird. Die spärliche Musik hat auch Werkstattcharakter, etwa wenn klopfende Geräusche erklingen, die einem anderen Arbeitsprozess als dem abgebildeten zu entstammen scheinen. Einmal stellt Wagin mit leisem Bedauern fest, im Alter lasse die Freude am Experimentieren nach. Dieses interessante Porträt erzählt etwas anderes.

Fazit: Der einfühlsame Dokumentarfilm porträtiert den Berliner Aktionskünstler und Baumpaten Ben Wagin als einen kreativen Freigeist, der immer etwas Neues mit seinen Händen erschaffen muss. Dieser Mann, der mit seinen Installationen im öffentlichen Raum dazu beigetragen hat, die Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten, ist mit Mitte 80 immer noch neugierig auf das Hier und Jetzt. Sobo Swobodnik und Pantea Lachin gelingt eine interessante Annäherung an einen ungewöhnlichen Künstler und sein anregendes Werk.





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