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Kritik: Weiße Ritter (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Regisseure und Drehbuchautoren Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler verwandeln sich vor der Kamera ihres neuen Films wieder einmal in die Kölner Langzeitarbeitslosen Mike und Alfred. Sie sollen die dummen Kuriere für den Geldschmuggel eines Global Players abgeben, eine Tätigkeit, die ihnen ihr gewitzter, als Subunternehmer agierender Kumpel Rasto in blumigem Wirtschaftsdeutsch anpreist. Sie seien jetzt "Humankapital", und würden "eigenverantwortlich und selbstgesteuert" arbeiten. Das in Schwarz-Weiß gedrehte Roadmovie gehört zum sogenannten Kölner Westend-Zyklus, den Kurz- und Spielfilmen, in denen Mike und Alfred Ausflüge in eine neoliberal verformte Gesellschaft unternehmen. Die neue Satire macht die sprachlichen Auswüchse unternehmerischen Denkens kenntlich, die auch schon alltägliche Wortwechsel mit manipulativer Verbindlichkeit aufblähen.

Wenn Mike und Alfred im Trabbi durch die Lande fahren, gefolgt von Rasto und der Consulterin im Audi, erinnert der stilisierte Stil der Inszenierung an Aki Kaurismäki. Die Protagonisten sind dem Rest der Welt enthoben, die Autos werden oft erkennbar nur zum Schein gefahren. Die Aufnahmen spielen auch mit dem Mittel der Überhöhung, um eine traumähnliche, fast halluzinatorische Schärfe zu erzeugen. Dann filmt die Kamera aus Untersicht oder verleiht den wunderbar klaren Bildern auf andere, subtile Weise einen mysteriösen Suspense. In dieser Atmosphäre wirken die Figuren, die sich der gummiartigen, wichtigtuerischen Businesssprache bedienen, wie Glücksritter auf schwankendem Boden.

Den Zuschauern werden wunderbare Ausdrücke um die Ohren gehauen, wie "Controlling-Phase", "Zielvereinbarung", "Veränderungsprozesse kommunikativ begleiten". Mike und Alfred lassen sich beeindrucken, im Gegensatz zu Anja. Ihre Widerspenstigkeit hat sie gerade den Job an einer Tankstelle gekostet, denn selbst dort gibt es ein ausführliches Regelwerk für den Kundendialog. Die Absurdität eines genormten Tankstellengesprächs, wie es wohl jeder kennt - "Sammeln Sie Treueherzen?" - wird einmal auf herrlich luzide Weise vorgeführt.

Ein bisschen verliert dann der Trip der kleinen Gauner, die von den großen ständig hinzulernen, an Zugkraft. Skurriles wie das Fremdeln von Mike und Alfred mit der "Natur", durch die sie stapfen, oder wie der singende Auftragskiller lässt sich nicht mehr zwingend in die Gesamthandlung einfügen. Dennoch überzeugt die Komödie mit ihrer genauen Beobachtung steriler, geschäftsorientierter Umgangsformen und mit ihrem naiv vorgetragenen, aber ätzend scharfen Humor.

Fazit: Die Regisseure Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler fügen ihrem satirischen Kölner Westend-Zyklus eine erfrischende kleine Gaunerkomödie hinzu. Das in Schwarz-Weiß gedrehte Roadmovie nimmt den manipulativen, aus der Businesswelt stammenden Sprachgebrauch auf die Schippe und zieht einen tollkühnen, vergnüglichen Bogen von der Frage nach Treuepunkten bis zur Wirtschaftskriminalität.





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