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Wo ist Rocky II?
Wo ist Rocky II?
© Rapid Eye Movies

Kritik: Wo ist Rocky II? (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Pierre Bismuth bekam 2005 zusammen mit Michel Gondry und Charlie Kaufman den Oscar für das beste Originaldrehbuch für den Film "Vergiss mein nicht!". In seinem Regiedebüt "Wo ist Rocky II?" denkt er über die Traumfabrik Hollywood und über die bildende Kunst nach. Manchmal scheinen seine Einfälle in philosophische Tiefen vorzustoßen, um gleich wieder Schabernack mit den Zuschauererwartungen zu treiben. Das experimentierfreudige Puzzlespiel, in welchem sich dokumentarische Elemente und Fantasie mischen, bezeichnet er als "Fake Fiction". Bismuth stellt seinem Film ein Zitat Ed Ruschas voran, in dem es heißt, Hollywood sei auch ein Verb und es lasse sich alles "hollywooden". Vielleicht schwebte Ruscha damals Ende der 1970er Jahre eine künstlerische Performance vor, als er den Kunstharz-Felsen in die Mojave-Wüste fuhr, wie in einer alten BBC-Dokumentation festgehalten. Diese verrät aber nichts über Ruschas Motivation. Ist es dann heute mit detektivischer Arbeit überhaupt noch möglich, eine Spur freizulegen, die untrennbar mit den Gedanken einer anderen Ära, nämlich der rauschhaften Flower-Power-Zeit, verbunden zu sein scheint?

Als der Detektiv hört, dass er einen falschen Felsen in der Wüste suchen soll, muss er unwillkürlich lächeln. Das schelmische Element dieses Films wird ihm bewusst, aber er geht seiner Arbeit trotzdem mit ernster Akribie nach. Sein seriöses Auftreten verhindert, dass der Film in Klamauk abrutscht, auch in jenen Szenen, in denen er zwischen den Wüstenfelsen herumirrt. Manchmal wird erkennbar, dass auch dieser Detektiv einer gewissen Inszenierung folgt, sie aber offenbar in seinen Job integriert.

Die beiden Drehbuchautoren, die diese Suchaktion "hollywooden" sollen, lassen ihrer Fantasie im Dialog mit sichtlichem Spaß freien Lauf. Rocky II gerät ins Zentrum von Intrigen und Schießereien und soll ein Skelett beherbergen. Einmal beobachtet die Kamera die Autoren von der Rückseite des Computerbildschirms aus, über den die getippten Sätze laufen. Also kommen auch diese scheinbar dokumentarischen Momente nicht ohne Inszenierung aus. Manchmal verlässt der Schnitt die Wege des Detektivs auch, um Passagen aus diesem entstehenden Spielfilm einzuflechten. Letztlich kann der Zuschauer nicht mehr ausschließen, dass ihn der Regisseur an der Nase herumführt. Die Musik beschwört Krimispannung herauf, die Sonnenuntergänge sind imposant und dieses schräge kleine Filmexperiment bleibt insgesamt kurzweilig, auch wenn es nur einen McGuffin ins Visier nimmt.

Fazit: Man sieht buchstäblich die Kunst vor lauter Steinen nicht bei dieser spaßigen Schatzsuche, die Regisseur Pierre Bismuth in der kalifornischen Mojave-Wüste veranstaltet. Ein Felsen aus Fiberglas, den der Pop-Art-Künstler Ed Ruscha in den 1970er Jahren dort versteckt haben soll, ist das Ziel dieses augenzwinkernden Experiments, das dokumentarisch-detektivischen und fiktionalen Pfaden folgt. Es philosophiert über reale und eingebildete Bedeutungen und bleibt doch vor allem kurzweiliges Spiel.





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