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Diamond Island
Diamond Island
© Rapid Eye Movies

Kritik: Diamond Island (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt des französisch-kambodschanischen Regisseurs Davy Chou ist eine fein beobachtete Coming-of-Age-Geschichte, die das Lebensgefühl der jungen Generation in Kambodscha einfängt. Wie so viele junge Leute zieht auch der 18-jährige Dorfbewohner Bora in die Stadt, um zu arbeiten und seiner Mutter Geld zu schicken. Das überraschende Wiedersehen mit seinem Bruder weckt in ihm die Hoffnung auf soziale Geborgenheit, die es aber in dieser Umgebung nicht gibt. Die Kluft zwischen Stadt und Land, Mittel- und Unterschicht ist groß, überall tun sich für den Jungen vom Land unbekannte Welten auf, die er nicht versteht. Aber er entdeckt auch die Liebe und die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen.

Auf der Großbaustelle Diamond Island entstehen Luxuswohnungen in bester Lage, eingerichtet nach europäischem Standard. An der westlichen Lebensweise orientieren sich auch die privilegierten jungen Leute, die Studenten, mit denen Solei abhängt, und selbst die Einkommensschwachen. Junge Paare, die auf Motorrädern durch die Straßen cruisen, sind sich der Bewunderung Gleichaltriger sicher. Unter den jungen Arbeitern vom Land ist das Karaoke-Singen von Liebesliedern sehr beliebt, und am Valentinstag herrscht große Aufregung: Viel Erfahrung mit dem anderen Geschlecht hat noch keiner von ihnen. Wie sein Bruder abends durch die Stadt fahren oder schlendern, ein Mädchen treffen: Das Leben steckt für Bora auf einmal voller Verheißungen.

Bora wünscht sich sehr, dass der große Bruder die Mutter besucht, dass er ihm seine Arbeitskollegen vorstellen darf. Aber Solei bleibt auf Distanz, sagt Bora nicht einmal, womit er sein Geld verdient. Der jüngere Bruder ahnt, dass hinter der glänzenden Erfolgsfassade eine dunkle Seite existiert. Er selbst ist hin- und hergerissen: Soleis Lebensstil gefällt ihm, aber dessen Freunde erscheinen ihm hohl, die Kollegen und die einfachen Leute, aber auch die Heimat sind ihm näher. Die Aufnahmen wirken sehr impressionistisch, können zum Beispiel ausgiebig schwelgen im Genuss einer Motorradfahrt, oder eines draußen verbrachten Abends, während sich das Tageslicht verändert und dann schwindet. So entsteht eine authentische Atmosphäre, in der die Protagonisten gar nicht mehr viel tun müssen, um den Betrachter begreifen zu lassen, wie intensiv sie in diesen Momenten leben.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des französisch-kambodschanischen Regisseurs Davy Chou erzählt von den Versuchen eines 18-jährigen Kambodschaners vom Land, in der Großstadt Fuß zu fassen. Die großen sozialen Unterschiede geben ihm Rätsel auf, aber seine neue Freiheit und erste Flirts entschädigen ihn teilweise für verlorene Illusionen. Die Geschichte überzeugt als leichtfüßige filmische Annäherung an die junge Generation des Landes, die ihren Weg zwischen Tradition und globalisierter Moderne finden muss.





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