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Girls Night Out
Girls Night Out
© Sony Pictures

Kritik: Girls Night Out (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es ist im Grunde eine makabre Geschichte, die die Regisseurin Lucia Aniello hier erzählt. Denn auf der Junggesellinnen-Party, die fünf Frauen in Miami feiern, kommt ein Mann zu Tode. Aber die berauschten Freundinnen finden, dass jetzt nicht der Moment sein darf, um ihrem Leben eine tragische Wendung zu geben. Mit deftigem und oft schwarzem Humor nimmt sich die Komödie zahlreicher Genreklischees an und dreht den Spieß einfach um: Die wilden, unkorrekten Filmcharaktere sind diesmal weiblich und aus ihrer Perspektive erhalten die gewohnten Themen Sex und Action eine erfrischend satirische Färbung. Die Geschichte will auf keinen Fall ernst genommen werden und daran muss man sich immer wieder selbst erinnern, damit einem das Lachen nicht im Halse stecken bleibt.

Die lustigste und schrillste Person des Party-Quintetts ist Alice. Die tatendurstige Wuchtbrumme trägt ein zu kurzes, buntes Kleid und gibt sich auch sonst als Trampel zu erkennen. Diese Figur ist deutlich an Rollenvorbildern aus "Brautalarm" orientiert. Aber auch die anderen Frauen lassen die Sau raus, wie es sonst traditionell die Männer bei ähnlichen Anlässen tun, siehe "Hangover". Scarlett Johansson spielt Jess als noch ziemlich geerdete Figur, die Skrupel hat, aber doch immer wieder dem kindlich-jugendlichen Wunschdenken nachgibt. Die unverblümt offenen Dialoge geben die weibliche Perspektive stets glaubhaft wieder. Hier sind es die Männer, nämlich Peter und seine Freunde, die derweil zuhause einen lachhaft spießigen Abend verbringen. So führt die Komödie Genderklischees auf vergnügliche Weise vor.

Gelungen ist auch die Persiflage der in den R-rated-Comedies ausgiebig zur Schau gestellten Geilheit. Der tote Stripper wird von den Frauen beispielsweise mit einem nicht jugendfreien Spaßartikel geschmückt, keineswegs in spöttischer Absicht, aber der filmische Konter auf in Männerkomödien gepflegte Interessen sitzt. Den gleichen satirischen Biss haben die Actionszenen, in denen es beispielsweise um die Beseitigung der Leiche geht. Dennoch wirkt die Geschichte etwas flach und gewollt.
Das ändert sich trotz überraschender Wendungen auch bis zuletzt nicht, weil sich die Geschichte spät noch einen harmonisch-versöhnlichen Kurs aufoktroyiert.

Fazit: Eine lustige Sause wie zu Collegezeiten sollte die Junggesellinnen-Party werden, die Jess mit ihren vier Freundinnen in Miami feiert. Mit einem toten Stripper zieht schwarzer Humor in diese deftige US-Komödie ein, die der zumeist männlichen Perspektive des Genres einen weiblichen, satirischen Spiegel vorhält. Dabei führt sie den zuweilen spaßigen Beweis, dass sich auch Frauen schlecht benehmen können und unkorrekte Gedanken hegen. Die oft makabre Komik ist nicht immer leicht verdaulich und steht im Widerspruch zu dem flachen Fahrwasser, das die Geschichte im späteren Verlauf ansteuert.





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