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© Tiberius Film © 24 Bilder

Kritik: 31 - A Rob Zombie Film (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Um diesen Film zu mögen, muss man schon ein ausgesprochener Fan des Horrorgenres sein. Ein Spiel, das drei Menschen in Rokoko-Kostümen zu ihrer Belustigung veranstalten, schickt ein paar Entführungsopfer in einen Kampf um Leben und Tod. Wenn sie die zwölf Stunden, die das Spiel dauert, überstehen wollen, müssen sie töten, denn die Angreifer kennen keine Gnade. Der siebte Kinofilm des Horrorspezialisten und Metal-Musikers Rob Zombie ("Das Haus der 1000 Leichen", "Halloween") feiert das Genre wie ein verlängerter Videoclip im Bilderrausch.

1976 besitzen die Flower-Power-Ära und das Versprechen grenzenloser Freiheit noch Überzeugungskraft, allerdings schon in etwas melancholischer Färbung. Charly und ihre Freunde tingeln durch die Lande, obwohl sie allmählich in die Jahre kommen. Sexuelle Freuden und der Geist des Rock'n'Roll sorgen für eine lockere, unbekümmerte Stimmung im Bus. Aber das einsame amerikanische Hinterland dient dem Spielfilm traditionell gerne als Lieferant böser Überraschungen. Und auch in der Popkultur findet sich eine dunkle, von Gewalt und Todessehnsucht geprägte Seite. Bald ist Charlys Oberkörper, den nur ein dreieckiges Bikini-Teil mit etwas Stoff bedeckt, mit Blut besudelt. Rasch stellt sich heraus, dass der Film weniger eine richtige Geschichte aus der Perspektive der Charaktere erzählt, als einen Rausch der Bilder zu entfachen. Wie um dem kleinen Marionettentheater, das mit seinen altmodischen Holzfiguren manchmal ins Visier der Kamera gerät, Konkurrenz zu machen, greifen auch die Angreifer zum Teil auf in die Jahre gekommene Requisiten zurück. Mit ihren Kostümen und Waffen spielen sie auf bewährte Figuren des Genres an, vom Vampir bis zum Nazi. Bevor sie dann brutal zuschlagen, -schneiden oder -stechen, ergehen sie sich in beleidigender, drohender Sprache mit sexuell gefärbter Frauenfeindlichkeit.

Wirklich gruselig oder atemberaubend spannend wird es in dieser so stark auf die kreative Bildchoreografie setzenden Inszenierung nicht. Wichtiger als das Erleben der Angst ist das Spiel mit kontrastreichen Farben, unscharfen Aufnahmen, wilden Schnittfolgen. Obwohl die grässlichen Morde darin oft nur halbwegs sichtbar werden, bleibt der Wahrnehmung letztlich doch kaum etwas erspart. Die Faszination für das Schreckliche wird wohl niemals aussterben: Darauf verweist Zombie mit seinen dekadent-sadistischen Spielveranstaltern, die nur zuschauen wollen, fast schon so ähnlich wie auch das Kinopublikum selbst.

Fazit: Rob Zombies Blick zurück ins Jahr 1976 fantasiert ein mörderisches Halloween-Spiel herbei, das an den Reichtum des mittlerweile schon altehrwürdigen Horrorfilmgenres erinnert. Die Handlung erschöpft sich weitgehend im tödlichen Nahkampf von Figuren, die entweder aus Lust und zum Ergötzen der Spielveranstalter morden, oder nur ihr Leben retten wollen. Interessant ist vor allem die visuelle Gestaltung, die tief im Gedächtnis der Popkultur nach Bildern der Angst und des Bösen zu wühlen scheint.





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