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Kritik: High Society - Gegensätze ziehen sich an (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Regisseurin Anika Decker gehörte bereits zu den erfolgreichsten Drehbuchautorinnen Deutschlands (u.a. "Keinohrhasen"), als sie 2015 mit "Traumfrauen" ihr Regie-Debüt vorlegte. Schon bei dieser Liebeskomödie arbeitete Decker mit Iris Berben zusammen, die auch eine der Nebenrollen in "High Society" ergattern konnte. Hauptdarstellerin Emilia Schüle ist trotz ihrer erst 24 Jahre schon seit fast zehn Jahren eine feste Größe in Kino und TV. Ihre bekanntesten Rollen bisher spielte sie in einigen Tatort-Folgen sowie dem TV-Film Ku’damm 56, während sie im Kino u.a. mit "Smaragdgrün" und "Vaterfreuden" Erfolge feiern konnte.

Dank einer starken Ausgangsidee und einigen sich redlich abmühenden Stars im Film (von denen es einige gibt), erfüllt "High Society" alle Erwartungen an einen kurzweiligen, harmlosen Unterhaltungsspaß ohne Tiefgang. Zu mehr reicht es leider nicht. Für eine bissige Satire auf oberflächliche, naive Superreiche und D-Promis ist der Film schlicht zu bieder und brav. Denn anstatt die Allgemeinplätze über Wohlhabende und die "Unterschicht" auf die Spitze zu treiben oder zu unterwandern, werden sie in "High Society" leider meist nur bestätigt.

Das beginnt schon damit, dass das reiche, in die edelsten Klamotten gehüllte Püppchen natürlich keinen blassen Schimmer von der Arbeitswelt hat. Geschweige denn das Anabel weiß, dass es so etwas wie einen Brutto- und Nettolohn gibt. Und auch wie viel Grundnahrungsmittel wie z.B. eine Butter kostet, weiß Anabel nicht. Wieso auch? Noch nie musste sie selbst arbeiten, noch nie selber einkaufen. Stattdessen aber ist sie natürlich in der Lage, die Familienmitglieder der Kardashians wie aus der Pistole geschossen auswendig herunterzubeten.

Der Clash der unterschiedlichen sozialen Hintergründe und bisherigen finanziellen Möglichkeiten, erlaubt dann aber durchaus die ein oder andere gelungene Pointe und skurrile Situation. Während Anabel vom üppigen Prunk-Bau in den Plattenbau übersiedeln muss, darf Aura Schlonz (Caro Cult) fortan an der Seite ihrer echten Mutter Trixi von Schlacht (Iris Berben) ein Leben in Saus und Braus führen. Der Schwerpunkt des Films liegt aber eindeutig auf Anabel und ihren turbulenten Versuchen, sich an ein Leben ohne Glamour und Reichtum zu gewöhnen.

Schade ist, dass die meisten der Figuren nicht nur wenig sympathisch erscheinen, sondern auch Reißbrett-artig und wenig tiefschürfend gezeichnet sind. Das beginnt schon bei der Hauptfigur – die stets zwischen alten Verhaltensmustern und neuen, sympathischen Charakterzügen schwankt – über deren griesgrämige "falsche" Mutter Trixi bis hin zu Jannis Niewöhner als blasser, konturenloser Charming-Boy und Schönling von nebenan. Einzig Katja Riemann (unter ihrer Perücke zunächst kaum wiederzuerkennen) als "Neu-Mutter" des verzogenen Glamour-Girls, überzeugt mit Charme und rustikaler Bodenständigkeit.

Fazit: Trotz einer gut aufgelegten Katja Riemann und der ein oder anderen gelungenen Pointe beim Clash der unterschiedlichen Sozialisation und Herkunft, kommt "High Society" nicht übers Mittelmaß hinaus. Dies liegt vor allem an den flachen, belanglosen Figuren und dem damit einhergehenden fehlenden Identifikationspotential.





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