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Nichts zu verschenken
Nichts zu verschenken
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Nichts zu verschenken (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Nichts zu verschenken" stammt vom französischen Filmemacher Fred Cavayé, der sich in der Vergangenheit vor allem einen Namen als Actionfilm-Regisseur machte. So inszenierte der Franzose u.a. den gefeierten Gangster-Krimi "Point Blank". Mit "Nichts zu verschenken", versucht er sich erstmals an einer Komödie. Für die Hauptrolle konnte Cavayé mit Dany Boon einen der Top-Stars Frankreichs gewinnen. Boon machte sich vor allem mit seinen leichtfüßigen Komödien einen Namen, darunter u.a. "Nichts zu verzollen". Seinen großen Durchbruch schaffte er 2008 mit dem Riesenerfolg "Willkommen bei den Sch’tis." Die Produktion entwickelte mit 20 Millionen Besuchern zum erfolgsreichsten französischen Kinofilm aller Zeiten.

Auch wenn in "Nichts zu verschenken" längst nicht alle Gags zünden, erweist sich der ulkige 90-Minüter als kurzweilig und alles in allem als zumindest zeitweise unterhaltsam. Das liegt zum einen an Hauptdarsteller Boon, dem es schlicht im Blut liegt, (zwangs)neurotische Charakter zu mimen. Und es gehört nicht gerade zu den Stärken dieser Charaktere, zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen (siehe "Der Super-Hypochonder"). Mit bemerkenswerter Konsequenz, zieht sich der Sparzwang von François durch jegliche Situationen und Schauplätze – ob im Restaurant, wenn er manisch die Preise der Gerichte scannt oder in den eigenen vier Wänden, wenn er seiner Tochter aus Kostengründen das Warmwasser abstellt.

Einige dieser Szenen sind besser gelungen und pointenreich, andere etwas weniger, da sie nicht mehr bieten als unspektakulären Klamauk von der Stange. Aber hier und da blitzt das komödiantische Talent von Boon eben doch auf. Und wenn sich dieses dann auch noch mit einigen gelungenen Drehbucheinfällen gut ergänzt, hat der Film seine stärksten Momente. Diese blitzen dabei durchaus auch unerwartet und überraschend auf und man fragt sich: wie äußerst sich François‘ Zwangsneurose wohl als nächstes bzw. wen wird er als nächstes in seinem Umfeld vor den Kopf stoßen. Gelungen ist etwa der Drehbucheinfall, seinen Vermögensberater bei der Bank als eine Art Psychologen auftreten zu lassen.

Letztlich sorgen ein etwas überstürztes, allzu hektisches Ende und die geringe Figurentiefe dafür, dass der Film letztlich nicht übers Mittelmaß hinauskommt. Hinzu kommen einige Unglaubwürdigkeiten in der Handlung. Etwa die Tatsache, dass sich Francois‘ Läuterung zu schnell vollzieht und sowie die alles entscheidende Frage: wieso verliebt sich eine entwaffnend attraktive Frau wie Valérie ausgerechnet in eine Figur wie François? Eine Figur, die so rein gar nichts – oder zumindest äußerst wenig – Sympathisches an sich hat und noch dazu lange nicht bereit ist, den extrem anstrengenden, enervierenden Geiz, mal Beiseite zu legen.

Fazit: Dank eines komischen Dany Boon in einer Paraderolle als verklemmter, neurotischer Geizhals und einiger guter Gags, gelingt es "Nichts zu verschenken" zumindest zeitweise, recht ordentlich und kurzweilig zu unterhalten.





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