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Kritik: Porto (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In "Porto" erzählt der amerikanisch-brasilianische Filmemacher Gabe Klinger, der das Skript zusammen mit Larry Gross schrieb, von einer Liebe, die zwei Menschen nicht mehr loslässt. Dennoch handelt es sich hier nicht um ein pompöses Melodram, sondern um ein vergleichsweise unaufgeregtes, stilles Werk mit wahrhaftig anmutenden Emotionen. Die gemeinsame Geschichte des US-Amerikaners Jake und der Französin Mati in der titelgebenden Stadt in Portugal wird nicht chronologisch präsentiert, sondern in vielen kleinen Bruchstücken geschildert. Manches erschließt sich uns als Zuschauer_innen dadurch erst allmählich; anderes wird uns zweimal gezeigt, dann aber noch weitergeführt. Durch das Fragmentarische wird äußerst treffend die Verwirrung und Desorientierung vermittelt, die die Liebe zumeist mit sich bringt.

Um die drei verschiedenen Zeitebenen der Handlung voneinander abzugrenzen, wird jede in einem anderen Bildformat – in 8-, 16- oder 35-Millimeter-Aufnahmen – eingefangen. Klinger und sein Kameramann Wyatt Garfield ("Mediterranea") lassen in der visuellen Gestaltung eine unzweifelhafte Cinephilie, eine Hingabe an das Medium Kino und an die Kraft der Bilder erkennen; die alte Hafenstadt Porto wird von ihnen mit beachtlichem Gespür für Atmosphäre in Motiven voller Magie und Melancholie eingefangen. Bedauerlich ist, dass Klinger vor einigen Monaten sehr unangenehm auffiel, als er überaus unsouverän auf eine negative Besprechung seines Werks reagierte, wie auf der US-Website The Seventh Row nachzulesen ist.

Anton Yelchin, der sowohl in tragikomischen Indie-Produktionen (etwa in "Charlie Bartlett") als auch in kleinen Genre-Perlen (zum Beispiel in "Green Room") und in Event-Movies wie der "Star Trek"-Reihe stets zu überzeugen wusste, bricht einem mit der intensiven Verkörperung seiner Rolle beinahe das Herz; das Wissen um den frühen (Unfall-)Tod des Darstellers verleiht den Szenen mit dem gealterten Jake leider eine noch tiefere Tragik. Mit seiner Leinwandpartnerin Lucie Lucas harmoniert Yelchin ganz hervorragend. Der Austausch von Blicken, die gegenseitigen Berührungen sowie die Kennlern-Dialoge wirken sinnlich; ebenso werden die Konfliktsituationen glaubhaft gespielt. So entsteht in der Interaktion ein berührender, schöner, erfreulich kitschfreier Film.

Fazit: Ein gelungener Liebesfilm, der zugleich kunstvoll und authentisch anmutet. Anton Yelchin und Lucie Lucas liefern ganz wunderbare Leistungen.





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