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Kritik: Volt (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur und Autor Tarek Ehlail bleibt sich treu. Auch sein dritter Spielfilm "Volt" stellt seine Figuren ins Spannungsfeld zwischen Gewalt und Politik. Waren es in "Chaostage – We Are Punks!" noch die (linke) Musik-, in "Gegengerade – Niemand siegt am Millerntor" die Fußball-Fanszene, spielt Ehlails Geschichte dieses Mal im rechten Lager eines Sonderkommandos der Polizei. Und der Regisseur tut alles dafür, seinem Titel gerecht zu werden. Mit Alec Empires minimalistischen Industrial-Sounds und entsättigten Farben stimmt Ehlail sein Publikum auf eine düstere, nicht allzu ferne Zukunft ein. Doch nach einem elektrisierenden Beginn steht am Ende nur noch die Hauptfigur unter Strom. Das liegt in erster Linie am mäßigen Drehbuch, dem Ehlail zu früh den Saft abdreht.

Die Ausgangslage bietet ausreichend Stoff für gleich mehrere Filme. Ehlail entscheidet sich für einen kleinen, dreckigen Genrestreifen, der aus wenig viel macht. Ein paar Zelte und Hütten in der Transitzone, eine schäbige Fabrikhalle als Hauptquartier des Sonderkommandos und eine ummauerte Reihenhaussiedling mit Wachpersonal, in der die Polizisten Volt (Benno Fürmann) und Torsun (Sascha Alexander Geršak) Seite an Seite leben, genügen, um dem Publikum die neuen Verhältnisse im Staat vor Augen zu führen. Es ist eine gespaltene Gesellschaft, die Ehlail präsentiert. Hier verwenden die Staatsdiener eine zutiefst rassistische Sprache, bezeichnen sich selbst als "Bullen" und interne Ermittler als "Krawatten". Wenn Volt in voller Montur auf aufgebrachte Demonstranten trifft oder auf seinem Motorrad an einem tristen, qualmenden Kraftwerk vorbei über die Leinwand rast, ziehen Ehlails Bilder auch das Publikum hinab in diese Welt. Der Ton ist hingegen schlecht abgemischt, mancher Dialog nur schwer zu verstehen.

Diese Welt bleibt allerdings nur ein winziger Ausschnitt. Der Regisseur verengt seinen Fokus, gibt keinen gesamtgesellschaftlichen Überblick, wie ihn die Zuschauer etwa in Lars Kraumes "Die kommenden Tage" (2010) zu sehen bekamen, sondern bleibt ganz bei seinem Protagonisten. Auch hier gibt er wenig preis, deutet nur an. Vernarbte Haut, zu viele Drogen und flüchtiger Sex erzählen nicht nur von Volts gegenwärtiger Verfassung, sondern auch immer etwas über seine Vergangenheit und seinen (vermeintlichen) sozialen Auftsieg. Diese Verknappung ist anfangs eine große Stärke, wandelt sich jedoch schnell zur größten Schwäche des Films.

Tarek Ehlails Drehbuch bleibt letztlich zu formelhaft, geht weder seiner Hauptfigur noch dem Publikum unter die Haut. Volts Entwicklung ist ebenso vorhersehbar wie die arg schematisch konstruierte Handlung, der auch deshalb gegen Ende die Power ausgeht, weil Ehlail mit dem Geldverleiher Drasko (Stipe Erceg) und dem Opfer Adama (Denis Moschitto) erst zwei potenzielle Antagonisten aufbaut, um sie völlig leichtfertig wieder aus seiner Geschichte zu streichen, sobald die beiden ihre erzählerische Funktion erfüllt haben.

Fazit: "Volt" ist ein ambitionierter Genrefilm, der aber nur in Ansätzen überzeugt. Die spannende Ausgangslage mündet allzu schnell in einer formelhaften Handlung, und Hauptdarsteller Benno Fürmann ist sichtlich bemüht, seiner Figur eine Tiefe zu verleihen, die das Drehbuch nicht hergibt.





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