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Victoria - Männer & andere Missgeschicke
Victoria - Männer & andere Missgeschicke
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Victoria - Männer & andere Missgeschicke (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eine moderne Frau im Stress ist das Thema dieser französischen Dramödie von Regisseurin und Drehbuchautorin Justine Triet. Die beliebte Schauspielerin Virginie Efira ("Birnenkuchen mit Lavendel") spielt die junge Anwältin und Mutter, die nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht. Sie muss Geld verdienen, während ihr Ex, der der Vater ihrer Kinder ist, gerade mit einem Blog über ihr Sexleben groß herauskommt. Sie riskiert ihre Anwaltslizenz, nur weil sie einem Freund einen Gefallen tun will, der sein Liebesleben nicht im Griff hat. Aber auch bei ihr hapert es mit der Liebe: Denn die Männer, die sie zum ersten Date zu sich einlädt, haben nur Sex im Sinn. Da wäre allerdings noch Sam, der Babysitter, aber der wirkt unbedarft und ist jünger als sie.

Es wird viel geredet über die Doppelbelastung moderner Frauen, aber Triet treibt das Problem munter auf die Spitze. Es ist schwer erträglich, dass Victoria ihre kleinen Töchter tagelang vor lauter Stress kaum eines Blickes würdigt. Diese emotionale Hürde muss man erst einmal nehmen, um sich auf die charmanteren Seiten der Hauptfigur näher einlassen zu können. Und die hat diese Frau, die so viele Ansprüche an das Leben stellt, gewiss auch. Virginie Efira spielt Victoria als selbstbewusste Alleinkämpferin, die auch kindlich und bedürftig wirkt: Sie geht nicht nur zum Analytiker, sondern auch zur Kartenlegerin, und vertraut ihre Sorgen einmal sogar einer Klientin an. In diesem Chaos, das schräge Männer wie der Ex-Mann und Vincent noch mehren, ergeben sich viele humorvolle Momente. Interessant ist auch die Umkehrung der traditionellen Rollenverteilung. Mit der Figur des Sam wird hier nämlich ein Mann eingeführt, der zu einer Frau aufschaut und ihr aus dem Hintergrund stützend zuarbeitet.

Triet will wie ihre Heldin auf zu vielen Hochzeiten tanzen. Sie kann sich nicht entscheiden, worum es hier wirklich gehen soll: um ein Burn-out und dessen Bewältigung, um das Liebesleben einer Frau oder um den Gerichtsprozess, der sich um das Liebesleben eines anderen dreht. Dieses erzählerische und inszenatorische Jonglieren mit dem Chaos hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl. Viele Szenen sind zwar amüsant, zum Teil durchaus lebensnah und, weil sie der Heldin so viel Freiheit in der Lebensgestaltung zugestehen, auch mutig. Aber die Unfähigkeit dieser Titelfigur, Prioritäten zu setzen und innezuhalten, wird im Film zu wenig reflektiert.

Fazit: Diese französische Dramödie über die Doppelbelastung einer modernen Frau und die Männer in ihrem Leben trägt den thematisierten Stress etwas zu dick auf. So wenig wie sich die Titelheldin vor lauter Pflichten und eigenen Ansprüchen retten kann, gelingt es dem Film, inhaltliche Prioritäten zu setzen. Er laviert zwischen Gerichtsdrama, Romantik und Psychokrise. Dennoch eignet sich das forcierte Chaos auch immer wieder als Humorfaktor und es macht erneut Freude, die charismatische Schauspielerin Virginie Efira zu erleben.





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