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Robert Doisneau - Das Auge von Paris
Robert Doisneau - Das Auge von Paris
© Film Kino Text

Kritik: Robert Doisneau - Das Auge von Paris (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Heute hängt die Fotografie "Le Baiser de l'hôtel de ville" als Poster an unzähligen Wänden, ziert Kalender, Kaffeetassen, Bett- und Unterwäsche. Als Robert Doisneau den Schnappschuss eines sich im Pariser Passantenstrom küssenden Paares 1950 veröffentlicht, nimmt kaum einer Notiz davon. Nach seiner Popularisierung glauben viele, sich selbst, ihre Eltern oder Großeltern darauf zu erkennen. Dabei hatte Doisneau die Szene mit zwei Schauspielschülern gestellt. Ein wenig steht diese amüsante Anekdote aus Clémentine Deroudilles Dokumentarfilm für Robert Doisneaus gesamtes Werk. Trotz zahlreicher Prominenter und Mannequins, die der Fotograf vor seiner Linse hatte, wird er für seine Straßenszenen, als Chronist der französischen Hauptstadt in Erinnerung bleiben. Und trotz seiner Bescheidenheit, die beinahe alle Interviewpartner im Zuge des Films betonen, war er ein akribischer Arbeiter, der kaum etwas dem Zufall überließ.

Für Robert Doisneau, der zeitlebens den Pariser Vororten und den einfachen Verhältnissen, aus denen er stammte, treu blieb, bedarf ein guter Fotograf dreierlei Eigenschaften: Neugier, Ungehorsam und Geduld. Reichlich neugierig stürzt sich auch seine Enkelin, Regisseurin Clémentine Deroudille, auf das Leben ihres Großvaters, den sie jahrzehntelang nur "Papi" nannte. Zum locker vorgetragenem Off-Kommentar und Eric Slabiaks verspielten Xylofon- und Klarinettenklängen arbeitet Deroudille geduldig die Lebensabschnitte ab. Emmanuel Guiberts Tuschezeichnungen sind den einzelnen, chronologisch geordneten Kapiteln illustrierend beigestellt. Nur ganz am Ende, wenn Deroudille den Erfolg ihres Großvaters außerhalb Frankreichs beleuchtet, durchbricht sie diese strenge zeitliche Abfolge.

Auch wenn man sich als Zuschauer etwas mehr vom großväterlichen Ungehorsam bei der Präsentation seines Lebens gewünscht hätte, ist "Robert Doisneau – Das Auge von Paris" ein äußerst sehenswerter Film. Und obwohl er bereits im Fernsehen gelaufen ist, lohnt sich ein Kinobesuch. Der Porträtierte beeindruckt durch seine Ruhe, Wärme und Vernunft, die den Menschen – egal ob ein spielendes Kind auf einer Pariser Brache oder ein Nachtschwärmer in einer Pariser Bar – immer über den Erfolg seiner Arbeit stellte. Und seine Porträts beeindrucken bis heute – vor allem auf der großen Leinwand.

Fazit: Regisseurin Clémentine Deroudille hat einen sehr persönlichen Dokumentarfilm über ihren Großvater, einen der bekanntesten französischen Fotografen des 20. Jahrhunderts, gedreht. Allein schon wegen Robert Doisneaus großartiger Fotografien lohnt sich ein Kinobesuch.





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