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Kritik: Bauer unser (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der österreichische Dokumentarfilmer Robert Schabus wuchs selbst auf einem Bauernhof auf. Aber die vielseitige Arbeit, die dort herrschte, ist in vielen modernen Betrieben längst einer Spezialisierung und Intensivierung gewichen. Wer Nutztiere hält, führt entweder einen Aufzucht-, oder einen Mastbetrieb. Dort ist die Rentabilität auf hohe Leistung angewiesen. Denn sinkende Lebensmittelpreise und teure Technik haben viele Landwirte in die Schuldenfalle getrieben. Obwohl der Film nur österreichische Betriebe vorstellt, weisen die Aussagen auch oft über das Land hinaus. Aus der Fülle präsentierter, alarmierender Zahlen und Fakten können die Zuschauer beispielsweise entnehmen, dass in Frankreich mittlerweile jedes Jahr circa 600 Bauern Selbstmord begehen.

Die filmische Auswahl der präsentierten Betriebe ist breit gestreut. Weder der kleine Biobauer und Direktvermarkter, noch der hochtechnisierte Agraringenieur bleiben ausgespart. Wer Schweine und Rinder hält, berichtet vom Preisdruck des Handels. Die Kunden greifen im Supermarkt in der Regel eben doch nach den billigsten Produkten, ohne sich um Qualität und ethische Fragen zu kümmern. Weil die Konsumenten mageres Schweinefleisch schätzen, werden die Tiere mit aus Brasilien importiertem Soja gefüttert. So greift das europäische Marktdiktat auch in die Landwirtschaft ferner Länder ein und ruiniert zudem deren Bauern durch subventionierte Billigexporte. Die vielleicht interessanteste Aussage kommt erst gegen Ende dieses informativen Films, wenn es heißt, dass der Gartenbau in seiner Produktivität der großen, monokulturellen Landwirtschaft überlegen sei. Das bestätigt die Erfahrungen eines niederösterreichischen Kleinbauernpaars, das betont, von ihrem auf Vielfalt angelegten Betrieb gut leben zu können.

Die visuelle Gestaltung erweist sich als wenig einfallsreich. Die vorgestellten Betriebe werden erst mit einer Drohnenkamera angeflogen, dann kommen die Bauern zu Wort, indem sie oft frontal im Bild stehen. Die Abläufe auf den Höfen werden in kurzen Szenen gezeigt, oft nimmt die Kamera Fließbänder und halbautomatisierte Arbeitsschritte ins Visier. Zu den vielen Zahlen, die mündlich genannt werden, kommen noch weitere in Texteinblendungen hinzu. Dieser Übersichtscharakter geht natürlich auf Kosten punktueller Vertiefung. Dennoch rüttelt der Film auf, indem er die in diesem Berufsstand grassierende Not und Ratlosigkeit hautnah einfängt.

Fazit: Der aufrüttelnde Dokumentarfilm von Robert Schabus demonstriert am Beispiel österreichischer Landwirte, dass die europäische Agrarpolitik in eine Sackgasse geraten ist. Der ständige Preisverfall von Fleisch und Milch kann auch von hohen staatlichen Subventionen nicht mehr aufgefangen werden. Bauern, die sich dem Expansionsdruck verweigern wollen, fühlen sich von der Politik alleingelassen. Mit seinem Reichtum an Fakten und Statements aus erster Hand regt der Film zur Diskussion über ein chronisch vernachlässigtes Thema an.





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