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Tu nichts Böses
Tu nichts Böses
© missingFilms

Kritik: Tu nichts Böses (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Drama "Tu nichts Böses" wurde von Italien für den Auslands-Oscar eingereicht. Am Ende belohnte die Academy den einnehmenden, emotional mitreißenden Film jedoch nicht mit einer Nominierung. "Tu nichts Böses" ist der insgesamt erst siebte Film von Regisseur Claudio Caligari – in über 40 Jahren Tätigkeit als Regisseur. Seinen ersten Film drehte er 1975, in den folgenden Jahren brachte Caligari im Schnitt alle fünf bis sieben Jahre einen neuen Film heraus. Sein vielleicht stärkster bis heute ist "Tu nichts böses". Caligaris Vermächtnis. Denn den Erfolg bei Presse und Publikum erlebte er selbst nicht mehr mit. 67-jährig, verstarb er im Mai 2015, kurz nach Beendigung des in Rom gedrehten Films. Einige Monate später feierte das Werk bei den Filmfestspielen in Venedig Weltpremiere.

Es ist ein raues, dreckiges Milieu voller finsterer Gestalten, Prostituierter, Dealer und anderer Krimineller, das Caligari in seinem letzten Film porträtiert. Die Handlung des Films setzt Mitte der 90er-Jahre in einem jener Außenbezirke von Rom ein, die bekannt sind für ihre hohe Kriminalitäts- und Verbrechensrate: Ostia. Caligari zeichnet dabei ein sehr authentisches, realistisches Bild vom Leben der beiden besten Freunde Cesare und Vittorio, inmitten dieses Umfelds. Angefangen von den dunklen, schäbigen Eckkneipen und Bars, in denen die zwei oft abhängen und die Zeit totschlagen oder sich mit anderen, konkurrierenden Dealern prügeln. Bis hin zu den wahrhaftigen Darbietungen der beiden jungen Hauptdarsteller.

Luca Marinelli und Alessandro Borghi verkörpern ihre Filmfiguren leidenschaftlich und nachdrücklich. Zudem legen sie ihre Charaktere jederzeit lebensnah an. Die Beiden sind keine schlechten Menschen, was man u.a. daran erkennt, dass sich Cesare leidenschaftlich um seine Mutter und Nichte kümmert. Vielleicht kann man es so formulieren: sie wuchsen schlicht zur falschen Zeit (späte 80er-, frühe 90er-Jahre), am falschen Ort (Roms Außenbezirke) auf. Viel von dem Geld, das Cesare als Dealer oder bei Überfällen verdient, zweigt er für seine Familie ab. Seine Schwester starb einst an Aids, eine Art Trauma, das der aufbrausende, temperamentvolle Mann bis heute nicht verwunden hat. Auch deshalb sieht er sich in der Pflicht, sich um seine kleine Nichte zu kümmern.

Aber er ist durchaus auch gewieft und kennt Tricks und Kniffe. Nämlich solche, die auf geschickten und glaubhaft dargebotenen Lügen basieren. Und die ihn immer wieder schnell und unkompliziert, an Geld kommen lassen. Besonders eine Szene macht das deutlich: auf einer Baustelle gelingt es ihm, dem dortigen Chef ein Märchen von einem vor kurzen abgeschlossenen Deal mit sündhaft teuren Marken-TV-Geräten, aufzutischen. Ehe man sich versieht, ist er um einiges Bares reicher, da er dem Baustellenleiter glaubhaft eine Beteiligung an dem illegalen Geschäft verklickert. Später stellt sich heraus, dass Cesare auf diese Art bereits ein halbes Vermögen gemacht hat. Diese Szene ist nur ein Beispiel von vielen, wie sich die Beiden durchzuschlagen versuchen.

Emotionaler wird der Film, wenn er im weiteren Verlauf die unterschiedlich verlaufenden Lebenswege der zwei Freunde aufzeigt. Während der eine (Vittorio) dem alten, lasterhaften Leben abzuschwören versucht, rutscht der andere (Cesare) immer tiefer in den Drogensumpf. Dennoch überdauert die Freundschaft auch das Auseinanderdriften dieser beiden Lebensrealitäten. Die wichtigste Botschaft des Films: der unermessliche Wert wahrer Freundschaft, die über die Jahre gewachsen ist.

Fazit: Authentische, lebensnahe und mitreißend gespielte Milieu- und Charakterstudie über zwei drogensüchtige Kleinkriminelle und ihre unzerstörbare Freundschaft.





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