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Die letzten Männer von Aleppo
Die letzten Männer von Aleppo
© Rise and Shine Films GmbH

Kritik: Die letzten Männer von Aleppo (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die beiden Filmemacher Ferad Fayyad und Stehen Johannessen inszenierten den Film über die mutigen, aufopferungsvollen Männer, die in der vom Krieg schwer gezeichneten Stadt Dienst tun. Mut bewiesen dabei auch die Filmemacher selbst, die sich über einen Zeitraum von zwei Jahren selbst in die lebensgefährliche Region begaben. Eine, die seit 2011 unter den Folgen des Bürgerkriegs zu leiden hat. Die Leidtragenden sind – wie so oft in kriegerischen Auseinandersetzungen – allen voran die unschuldigen, unbeteiligten Zivilisten. "Die letzten Männer von Aleppo" erhielt Anfang des Jahres auf dem Sundance Filmfest, den Preis für die beste Dokumentation.

Seit nunmehr fast sechs Jahren herrscht Bürgerkrieg in Syrien. Die zu weiten Teilen zerstörte Stadt Aleppo, die noch vor wenigen Jahren fast zwei Millionen Einwohner hatte, wurde durch die mediale Berichterstattung quasi zum Synonym für die grauenvollen Folgen des Kriegs für die Zivilbevölkerung. Allen voran der stark umkämpfte Osten. Heute leben nur noch rund 250 000 Menschen in diesem Teil der Stadt. Viele haben Aleppo in Richtung Türkei verlassen. Die drei Weißhelme Subhi, Mahmoud und Khaled sind geblieben. Doch weit mehr als das: unermüdlich setzen sie sich für die Opfer des Bürgerkriegs ein und rücken – freiwillig und ohne einen Cent dafür zu bekommen – nach jedem neuerlichen schweren Bombardement, aus.

Es sind verstörende, schwer zu ertragende Bilder direkt aus der Hölle, die einen in "Die letzten Männer von Aleppo" erwarten. Verschüttete Kinder, endlose Trümmerwüsten, zerbombte Häuser, Verletze und Tote – all dies bestimmt die Szenerie und all dies ist im Film ohne Rücksicht auf die Emotionen des Zuschauers zu sehen. Was aber gut und wichtig ist, denn: der Krieg ist real und vor der Realität darf man die Augen nicht verschließen. Zudem werden die drei Weißhelme, die hier bei ihrer lebensgefährlichen Arbeit begleitet werden, nicht zu Helden stilisiert – sie sind Helden. Einen harten Kontrast zu den Szenen im Bombenhagel bilden dabei jene leisen, sanften Momente, die die Männer im privaten Kreis zeigen. Bei ihren Familien schöpfen sie Kraft, sie geben ihnen Mut und Hoffnung.

An einer Stelle des Films bringt es Khaled auf den Punkt, in dem er klar formuliert, warum es sich zu kämpfen lohnt und es keinen Sinn macht, aufzugeben. "Es geht nicht um uns, sondern um die Kinder", sagt er und fasst etwas Entscheidendes zusammen: sterben Kinder, stirbt auch das Land. Denn ohne Kinder hat es keine Zukunft. Mit seinen eigenen telefoniert Khaled wenig später, während der nächste Einsatz unmittelbar bevorsteht. Dann geht es wieder raus, mitten ins unerträgliche Elend. Das Tragische: Khaled geriet im Sommer 2016 in einen schweren Bombenhagel und bezahlte seinen Einsatz mit dem Leben. Ihn hier noch einmal auf der Leinwand zu sehen, ist harter Tobak.

Fazit: Schonungslose, schwer zu ertragende Doku direkt aus der syrischen Bürgerkriegshölle über mutige, selbstlose Männer, die ihr Leben für andere riskieren.





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