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Alles gut
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© Rise and Shine Films GmbH

Kritik: Alles gut (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Alles gut" ist der neue Film der aus Herne stammenden Journalistin Pia Lenz. Lenz studierte u.a. Journalistik und Sprachwissenschaften in Dortmund, später volontierte sie beim NDR. Als Redakteurin arbeitete bis heute u.a. für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung oder auch SpiegelOnline. Als Filmschaffende konzentriert sich Lenz auf die Realisierung von Dokumentationen und TV-Reportagen. Bekannt ist sie vor allem für ihre Reportagen, die sie für das ARD-Reporter-Magazin "Panorama" dreht. Für ihren Film "Hudekamp" (2012), der im NDR gezeigt wurde, erhielt sie den Deutschen Fernsehpreis. Für die Musik von "Alles gut" konnte Lenz die bekannte Weilheimer Ambient- und Indietronic-Band The Notwist gewinnen.

Unverstellt und jederzeit wahrhaftig, macht "Alles gut" die schwierige Situation vieler Neuankömmlinge in Deutschland klar. Das Besondere: Regisseurin Lenz hat sich entschieden, die Ereignisse zu weiten Teilen aus der Sicht zweier Angehöriger jener Bevölkerungsgruppe zu zeigen, die am Unschuldigsten sind und am meisten leiden: die Kinder. Über ein Jahr begleitete sie den achtjährigen Mazedonier Djaner und die elfjährige Ghofran sowie deren Familien. Dabei ist sie mit der Kamera jederzeit nah dran an ihren Figuren. Sie begleitet die Familien zu Terminen bei Ämtern und Behörden, ist oft in der Schule mit dabei oder in deren Wohnungen – und damit im denkbar privatesten Raum und Umfeld. Hier bekommt sie unmittelbar und ungefiltert die Ängste und Probleme mit. Auch deshalb, da sich die Porträtierten ihr gegenüber offen und frei äußern.

So berichtet die alleinerziehende Mutter von Djaner und ihrem Bruder, an einer Stelle z.B. von der schlimmen Situation und den ärmlichen Verhältnissen in der mazedonischen Heimat. Dort gäbe es keine Arbeit und die Kinder könnten nicht zur Schule gehen. "Wir wollen in Deutschland bleiben", scheint sie die Kamera regelrecht anzuflehen. Die Verzweiflung von Ghofrans Vater Adel wird u.a. bei einem Amtsbesuch überdeutlich. Einer Sozialarbeiterin versucht er mit den wenigen Brocken Deutsch, die er beherrscht, klarzumachen, wie schwer und misslich seine Lage ist. Zu diesem Zeitpunkt wartet er noch auf seine Familie, die er ein Jahr lang nicht gesehen hat. Kurz darauf ist die Familie wiedervereint in Deutschland, allerdings beginnt jetzt erst der harte, steinige Weg der Integration.

Lenz verzichtet auf eine eindeutige Schuldzuweisung (etwa gegenüber der Politik oder der Behörden-Bürokratie) und entschied sich zudem gegen einen erklärenden, einordnenden Off-Kommentar. Sie lässt das Geschehen auf der Leinwand und die Ereignisse um die beiden Familien, ganz für sich sprechen. Aus dem Off ertönt einzig hin und wieder die zarte, melancholische Musik der Ambient- und Elektro-Virtuosen von The Notwist. Nur einmal, ganz am Ende, erhält der Zuschauer über Texteinblendungen ausführlichere Informationen über das weitere Schicksal der Flüchtlinge. Dieses könnte unterschiedlicher nicht sein: Während Ghofran und ihre Familie ein dreijähriges Bleiberecht erhielten, wurde Djaner und seinen Angehörigen der weitere Aufenthalt in Deutschland untersagt.

Fazit: Expliziter, bedrückender Film über den Alltag von Flüchtlingsfamilien hier in Deutschland, der auf nachhaltige und mutige Weise, die Probleme bei der Integration aufzeigt.





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