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Kritik: Maleika (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Mehr noch als unter seinem Künstlernamen Matto Barfuss ist der 1970 im baden-württembergischen Sinsheim geborene Matthias Huber als "Gepardenmann" bekannt. Der Name stammt von seinem Zusammenleben mit der Raubkatze Diana und deren fünf Kindern, mit denen Barfuss zwischen 1996 und 2002 insgesamt 25 Wochen in Tansania verbrachte. Als Barfuss 2013 auf die Gepardin Maleika trifft, glaubt er, eine Urenkelin Dianas in dem anmutigen Tier zu erkennen. Er begleitet sie in den kommenden drei Jahren und hält ihr Leben mit der Kamera fest.

Die Bilder, die Barfuss und seine zweite Kamerafrau Martina Jandova einfangen, sind unbedingt sehenswert, wirken aber auch schnell redundant. Da das Leben einer Gepardin und ihres Nachwuchses nun einmal aus dem sich stets wiederholenden Wechsel von Jagd, Flucht und Spiel besteht, gleichen sich unzählige der Aufnahmen. Dass Maleikas Geschichte allein, selbst in Anbetracht des umfangreichen Rohmaterials, nicht trägt, dessen war sich wohl auch Barfuss bewusst. Erzählerisch verlässt er wiederholt die Pfade der Gepardin, um in kleinen Nebenepisoden etwa die Wege der Löwin Mona Lisa oder die Ashantis, einer anderen Gepardin, zu verfolgen.

Inszenatorisch richtet sich "Maleika" an die ganze Familie. Der gewohnt sonor vorgetragene Kommentar des Fernsehmoderators Max Moor ("titel, thesen, temperamente") vermenschlicht die Tiere der Savanne von der ersten Minute an. Wiederholt tritt Moor an die Stelle der Geparde, spricht mit verstellter Stimme deren potenzielle Gefühle aus oder imaginiert gar deren Gedanken. Häufig muss er aber auch Lücken schließen. Denn nur einmal ist Matto Barfuss live dabei, wenn eines von Maleikas Kindern stirbt. Das Schicksal der anderen wird lediglich als Erklärung aus dem Off nachgereicht.

Das bleibt nicht das einzige Missverhältnis dieses schön fotografierten Dokumentarfilms. Der niedlichen Vermenschlichung und einigen flapsigen Formulierungen, die andere Tiere etwa als "Hatari-Gang" oder "Zickenkrieg-Rudel" bezeichnen, stehen pathetische und bedeutungsschwangere Sätze entgegen. Hier scheint Barfuss etwas zu sehr von eben jenem Glauben beseelt, der ihn ohne jeglichen Beweis in Maleika eine Nachkommin der Gepardin Diana erkennen ließ. Dann ist von Maleikas "Seele" die Rede, auf der "eine weitere Narbe hinterlassen" wurde oder von "Tagen tiefer Trauer", in die die Mutter und ihre Kinder angeblich verfielen. Zu sehen ist davon eher wenig. Auch wenn der Filmemacher den Zusammenhalt der Gepardenfamilie als beinahe unbesiegbare Kraft beschwört, klingt das für einen Tierfilm, der sich vornehmlich an Kinder richtet, nicht nur reichlich befremdlich, sondern ist am Ende schlicht ein schiefes Bild. Schließlich kommen nur zwei der vier Jungen durch. Müsste das im Umkehrschluss dann nicht bedeuten, dass der familiäre Zusammenhalt nicht groß genug war?

Fazit: Matto Barfuss' "Maleika" ist ein optisch sehenswerter Dokumentarfilm, dessen Kommentar aber nie den richtigen Ton trifft und bedenklich zwischen flapsiger Vermenschlichung und triefendem Pathos schwankt, anstatt sich an die tierischen Fakten zu halten.





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