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Kritik: Born to be blue (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der kanadische Regisseur Robert Budreau spürt mit diesem inspirierten Drama dem Geist der amerikanischen Jazz-Legende Chet Baker nach. Aus den biografischen Fakten einer von großen Höhen und Tiefen gezeichneten Musikkarriere, die in den 1950ern begann und bis zu Bakers Tod 1988 dauerte, strickt Budreau eine fiktional angereicherte Geschichte, die sich den menschlichen Widersprüchen dieses begabten Künstlers widmet. Der Film nimmt die Heroinsucht Bakers zum Anlass, um über das Verhältnis von musikalischem Genie und Drogenkonsum nachzudenken. Dabei dringt das Drama mit sich langsam steigernder Spannung in psychologische Tiefen vor, die ihm zu einem sehr überzeugenden Finale verhelfen.

In Wirklichkeit war der Film, in dem sich Baker selbst spielt, nur eine Idee geblieben. Und Jane ist auch keine wirkliche, sondern eine aus mehreren Frauen in Bakers Leben zusammengesetzte Figur, die sein Verhältnis zum anderen Geschlecht symbolisieren hilft. Die Afroamerikanerin sagt ihm am Anfang ihrer Beziehung, dass sie seine Wirkung auf Frauen nicht ganz verstehe. Und dann nimmt sie sich ebenfalls seiner an, obwohl von seinem früheren Ruhmesglanz nichts mehr übrig ist. Chet mag keinen Schritt ohne Jane gehen, die ihm langsam und liebevoll neues Selbstvertrauen einflößt. Die Entwicklung dieser Beziehung wird sehr sorgfältig geschildert, um dem Menschen Chet Baker, der Halt in der Liebe sucht, näherzukommen.

In Rückblenden in Schwarzweiß wird gezeigt, wie den Musiker Chet die Erinnerung an seinen Auftritt im "Birdland" umtreibt, nach welchem Miles Davis ihm, dem weißen Eindringling in die Domäne des Jazz, fehlende Reife attestierte. Auch die problematische Beziehung Chets zu seinem Vater wird gestreift, um auf die innere Unsicherheit, aber auch den starken Antrieb dieses Künstlers hinzuweisen. Ethan Hawke spielt Chet als verschlossenen, sensiblen Mann und als Kämpfernatur, vor allem aber als Künstler, dessen vielleicht einzige ehrliche Sprache die Musik ist. Der Schauspieler singt selbst in diesem Film, in dem es auch keine instrumentalen Originalaufnahmen von Chet Baker gibt. Stets schwingt in dieser dramaturgisch gut aufgebauten Geschichte auch ein tragischer Ton mit. Er hängt wohl mit dem Drang Chet Bakers, nach den Sternen zu greifen, zusammen, aber diesem möchte man natürlich, so zwingend und elementar wie er erscheint, für nichts die Schuld geben.

Fazit: Der kanadische Regisseur Robert Budreau nimmt das mühsame Comeback des Jazzmusikers Chet Baker in den späten sechziger Jahren zum Anlass für das fiktional angereicherte Porträt eines Künstlers, in dessen Brust zwei Herzen schlagen. Ethan Hawke spielt den heroinsüchtigen Trompeter als Getriebenen, den die Liebe einer Frau näher an den künstlerischen Olymp heranbringt. Mit sich langsam steigernder Spannung erreicht das Drama eine beachtliche Tiefe in der Betrachtung eines schwierigen Charakters und seiner Epoche.





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