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Das ist unser Land!
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© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Das ist unser Land! (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der belgische Regisseur Lucas Belvaux präsentiert ein spannendes Politdrama, das sich mit dem Phänomen des französischen Rechtspopulismus auseinandersetzt. Die junge Hauptfigur Pauline kandidiert im Norden Frankreichs bei den Kommunalwahlen für eine fiktive Partei namens Nationale Volksbewegung. Es besteht kein Zweifel, dass mit dieser Partei und ihrer blonden Vorsitzenden Agnès Dorgelle auf den Front National und seine Chefin Marine Le Pen angespielt wird. Belvaux schildert die Ränke und Machenschaften der Strippenzieher, die für Dorgelle im Hintergrund tätig sind und zeigt dabei auf, dass die demokratische Volksnähe, die sich die Partei auf die Fahnen schreibt, nur Fassade ist.

Belvaux richtet einen sehr kritischen, wachsamen Blick auf verschiedene Ausprägungen von Nationalismus. Einmal hält Agnès Dorgelle eine Rede, in der sie sich brüstet, die Partei kämpfe im Namen des Volkes dagegen, dass sich das Land in ein Kalifat verwandele. Dann singt das Publikum die Nationalhymne, deren martialischer Text in diesem Zusammenhang sehr befremdlich wirkt. Die rechtsradikale Partei steht mit ihren ausländerfeindlichen Ansichten und Ressentiments tatsächlich nicht im sozialen Abseits, selbst in Paulines Freundeskreis gibt es Menschen, die diese Meinungen teilen. Darüber zerbrechen Freundschaften, das politische und soziale Klima wird aggressiv.

In spannendem Kontrast zu dieser Entwicklung steht Paulines naiver Glaube, dass die Partei weder links noch rechts steht, sondern für Frankreich eintritt – für Arbeit und bessere Lebensbedingungen. Dabei wäre Wachsamkeit besonders wichtig, weil das rechtsextreme Milieu bestens vernetzt ist und der honorige Dr. Berthier beispielsweise Verbindungen zu Neonazi-Schlägern unterhielt, solange sie ihm nützlich waren.

Der charmante André Dussollier schlüpft hier als rechtsextremer Strippenzieher in eine ungewohnte Rolle. Sein Charakter des angesehenen, erfolgreichen Arztes, der insgeheim ein berechnender Machtmensch und Ideologe ist, wirkt sehr authentisch. Was ein wenig zu kurz kommt in diesem betont realistischen Film, sind die Ziele Paulines. Auch wenn sie die Kandidatur eher aus Neugier annimmt, denn aus Überzeugung, müsste sie doch bald erkennen, mit wem sie sich eingelassen hat. Belvaux aber wollte an dieser Figur wohl demonstrieren, wie leicht die Arglosigkeit und Heimatliebe ganz normaler Menschen instrumentalisiert werden kann.

Fazit: Das Politdrama von Lucas Belvaux setzt sich kritisch und differenziert mit den Machenschaften einer populistischen rechtsradikalen Partei in Frankreich auseinander, die deutlich auf Marine Le Pens Front National anspielt. Die spannende Geschichte einer naiven jungen Parteikandidatin demonstriert exemplarisch, wie die Strippenzieher aus dem rechtsextremen Milieu Menschen mit vollmundigen Parolen umgarnen und deren wirtschaftliche Sorgen für ihre Zwecke instrumentalisieren. Es gelingt diesem realistischen, aufklärerischen Film, Kopf und Gefühl gleichermaßen anzusprechen.





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