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Offline - Das Leben ist kein Bonuslevel
Offline - Das Leben ist kein Bonuslevel
© barnsteiner-film

Kritik: Offline - Das Leben ist kein Bonuslevel (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Viel wird über Jugendliche geklagt, die sich lieber in der virtuellen Welt ihrer Computerspiele tummeln, als in der realen. Der Debüt-Kinofilm von Regisseur Florian Schnell prangert dieses Phänomen nicht warnend an, sondern schlägt einen ganz anderen, sehr originellen Weg ein: Er versetzt sich humorvoll in die Gedanken- und Erlebniswelt jugendlicher Gamer, die immer aufs nächste Online-Turnier hinfiebern. Und die sich in allen erdenklichen Situationen des wirklichen Lebens fragen, was jetzt wohl ihr Avatar tun würde. Diese Komik hat zwar einen satirischen Einschlag, sympathisiert aber dennoch mit den Protagonisten. Die Vermischung von Wirklichkeit und Game-Szenario in der Fantasie des jungen Helden Jan wird mit pfiffigem Ideenreichtum geschildert.

Jan fühlt sich ohne seinen Avatar Fenris seinen jugendlichen Komplexen unangenehm ausgeliefert. Mit einem Mädchen allein zu verreisen, im Wald am Lagerfeuer zu sitzen und sich zu blamieren, weil man zwar eine Konservendose dabei hat, sie aber nicht öffnen kann – das ist ganz schön anstrengend. Aber es gibt ja ein höheres Ziel, nämlich rechtzeitig vor dem Beginn von "Ragnarök" Fenris wiederzubeleben und in den Online-Kampf zu ziehen. Die aus der nordischen Sagenwelt stammenden Motive des Spiels, wie der Weltuntergang Ragnarök, verweisen ironisch auf den Ernst der Lage, in der sich Jan nun befindet. Der aufgezwungene Abenteuertrip durch die Wälder der Provinz lässt ihn die Kraft romantischer Gefühle kennenlernen, aber auch die Eifersucht. Denn er und Karo landen in der Hütte des attraktiven Aussteigers Ben (David Schütter) und da sehnt sich Jan plötzlich verstärkt danach, wieder Fenris zu sein.

Viele Stationen des Abenteuertrips und auch die Nebenhandlungen mit Jans Freund Deniz oder mit seiner Mutter, die ihn sucht, sind auf skurrile Weise witzig. Selbst in der visuellen Gestaltung schlägt sich der Humor der Geschichte nieder, denn Schnell verwendet Elemente des Game-Designs, um Jans Gedanken zu schildern. Diese bildliche Ironie verdeutlicht sehr spaßig, wie sehr der Teenager auch schon die Wirklichkeit nach dem Schema des Spiels interpretiert. Doch aus der filmischen Lust am Vergleich von realer und virtueller Ebene spricht auch eine starke Affinität des Regisseurs zu Computerspielen. Die Kreativität der Gestaltung und die gelungene Komik sorgen für ein ungewöhnliches Filmvergnügen und entschädigen für einige inhaltliche Schwächen im späteren Verlauf.

Fazit: Das Kinofilmdebüt des Regisseurs Florian Schnell taucht überraschend kreativ und humorvoll in die Gedanken- und Erlebniswelt eines leidenschaftlichen Computerspielers ein. Es begleitet den Teenager mit satirischem Witz, aber auch voller Sympathie auf einem Abenteuertrip, den er ohne seinen geliebten Avatar in der realen Welt meistern muss. Der pfiffige Einfallsreichtum auf inhaltlicher und stilistischer Ebene sorgt für ein ungewöhnliches Filmvergnügen.





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