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Schumanns Bargespräche
Schumanns Bargespräche
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Kritik: Schumanns Bargespräche (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die "Schumann's Bar" in München gilt seit Jahrzehnten als eine Institution. Journalisten, Filmemacher, die örtliche Prominenz und das schicke Partyvolk – wer in München auf sich hielt, kam seit 1982 nicht umhin, sich in Charles Schumanns Lokal blicken zu lassen. Die Regisseurin Marieke Schroeder besucht nun mit ihm berühmte Bars von New York bis Tokio, um ihn beim Fachsimpeln mit den Betreibern zu filmen. Auch lässt sie natürlich Schumann selbst erzählen. Das Resultat ist sowohl eine freundliche Hommage an den renommierten Mann hinter der Theke, als auch an den eleganten Mikrokosmos Bar.

Schumann zählte zu denjenigen, die Cocktails und mit ihnen die Barkultur wieder in Mode brachten, nachdem in den wilden 1970ern bei den Nachtschwärmern eher der Rausch, als der Genuss gezählt hatte. Darauf verweisen Statements seiner Kollegen. Schumann selbst hat im Laufe der Jahrzehnte ebenfalls einen atmosphärischen Wandel konstatiert. Früher sei die Bar ein Ort gewesen, wo Männer über die schönen Dinge des Lebens redeten, heute würden dort Geschäfte getätigt, aber: "Wichtige Gespräche finden kaum noch in der Bar statt." So verrät Charles Schumann, was er für wichtig hält, nämlich das Savoir-Vivre.

Der Mann flaniert im Anzug durch Paris, ist immer gut gekleidet und mit seiner Statur und den grauen, leicht gewellten Haaren eine imposante Erscheinung. Er hält nichts von vertraulicher Nähe zu den Gästen und outet sich in einem Interview sogar als Misanthrop. Das geschieht aber wohl eher aus einer spontanen Laune, als dass es der Realität entspricht. Gerechter wird ihm sicherlich die Selbsteinschätzung, er habe ein Gespür dafür entwickelt, welcher Drink für welchen Gast gerade der richtige sei, gefolgt von dem Zusatz, "Der wichtigste Gast ist der verlorene".

Es gibt viel Jazzmusik, wenn Schumann in ausländischen Bars sitzt und den Betreibern beim Mixen zuschaut. Oft sind die Szenen etwas zu kurz, um mehr als knappe Einblicke in die Kunst des Cocktailmachens zu gewähren. Auch die Gespräche über Drinks und Barkultur bleiben, unterstützt von der Montage, eher flüchtig. Was seine Person angeht, übt sich Schumann meistens in vornehmer Zurückhaltung und lässt weder viel Gefühl, noch viel Selbsterforschung in seine Aussagen einfließen. Er ist eben auch in diesem Streifzug durch Bars ganz Profi und kein Gast, der an der Theke sein Herz ausschüttet.

Fazit: Marieke Schroeder unternimmt mit ihrem Protagonisten, dem Münchner Barkeeper Charles Schumann, Streifzüge durch renommierte Bars von New York bis Tokio. Dort plaudert Schumann mit Kollegen über die Barkultur im Wandel der Zeiten, Drinks und ihre Zubereitung, die beste Philosophie hinter der Theke. Aus dem Mund des vornehm zurückhaltenden Mannes erfährt man zwar nicht viel über ihn selbst, dennoch ist der Film mit seiner stilvollen Atmosphäre auch als Würdigung seiner Person gedacht, die in der internationalen Szene einen exzellenten Ruf genießt.





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