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Kritik: Hard & Ugly (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser skurrile Schwarz-Weiß-Film von Regisseur Malte Wirtz basiert auf seinem gleichnamigen Theaterstück und beweist ebenfalls eine Vorliebe für experimentelle Dramaturgie. Nur 71 Minuten dauert die No-Budget-Produktion, in der Protagonist Et auf seinen rat- und rastlosen Wegen durch Berlin merkwürdige Begegnungen mit anderen Menschen hat. Aber ihm ist sowieso merkwürdig zumute, denn er kann Carla nicht vergessen, die junge Frau, die ihn davon abhielt, sich das Leben zu nehmen. Die Wortwechsel unterwegs sind flüchtig und störanfällig, die Figuren sehnen sich nach Nähe, Freundschaft und mehr, scheuen aber vor dem großen Wort Liebe zurück, wenn es konkret wird. So stehen die Chancen für Et, sein Glück zu finden, eher schlecht.

Die sketchartig aufgebaute, leichtfüßige Handlung ist gespickt mit humorvollen Dialogen. Darin geht es aber nicht nur um das Thema Liebe und Partnerschaft, sondern es werden diverse Zeitgeist-Phänomene satirisch aufs Korn genommen. Ein Höhepunkt ist die Kündigungsszene, in der die beiden Fitnesschefs dem Trainer Et erklären, er passe nicht zu ihnen. Nadine Karbacher und Maximilian Gehrlinger spielen die jungdynamischen Unternehmer als wortmächtiges Duo, dem es diebische Freude bereitet, Et mit floskelhafter Sprache niederzuringen.

Immer wieder werden die Dinge ins Satirische verkehrt, etwa wenn die Bedienung das Theaterstück, in dem sie als Darstellerin zu sehen ist, Et und Carla gegenüber anpreist und es zugleich verreißt. So entsteht eine verspielte Atmosphäre, in der der Geist moderner, alltäglicher Konversationen sozusagen beschwipst auf den Tischen tanzt. Der Zynismus der Fitnesschefs verfolgt den armen Et buchstäblich, aber der zarte Hauch der Liebe verleiht ihm neue Abwehrkräfte gegen ihre Einflüsterungen. Jedoch lauern auf Schritt und Tritt neue Probleme. Wenn Et und Carla durch die Straßen flanieren und die Voice-Over-Erzählerin von der einsetzenden Dämmerung spricht, dann muss diese beispielsweise auch als Grund dafür herhalten, dass Ets gute Stimmung plötzlich kippt.

Nicht alles ist stringent oder schlüssig in dieser mäandernden Handlung. Bunte kleine Animationen lockern sie auf und bieten interessante Details wie eine vom Himmel herabschwebende Mary Poppins. Auch die Musik thematisiert das Lebensgefühl in der Großstadt Berlin, in dem die Charaktere offen für Chancen sind, sich mit der lockeren Unverbindlichkeit im Umgang aber zuweilen stärker tarnen, als ihnen lieb sein kann.

Fazit: Mit ihrem unglücklichen, aber verliebten Hauptcharakter flaniert diese skurrile Komödie von Malte Wirtz durch die Straßen Berlins, um das Lebensgefühl junger Individualisten zwischen Einsamkeit und Freiheit einzufangen. Dabei nimmt sie die Bindungsangst, die flüchtige Natur alltäglicher Begegnungen, aber auch andere Zeitgeistphänomene satirisch aufs Korn. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film wirkt mit seinen oft absurd anmutenden Dialogen, den eingestreuten bunten Animationen und der mäandernden Dramaturgie rätselhaft und verspielt.





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