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Kritik: Can I Be Me (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In den 1990er Jahren lag der afroamerikanischen Pop- und Soulsängerin Whitney Houston die Welt zu Füßen. Zehn Jahre später haftete ihrem Ruhm eine tragische Färbung an. Auf der Welttournee 2009 erntete sie teilweise Spott für ihre von langjährigem Drogen- und Alkoholmissbrauch beeinträchtigte Stimme. 2012 erlag die Sängerin mit 48 Jahren ihrer Drogensucht. Der Dokumentarfilm von Nick Broomfield und Rudi Dolezal forscht nach, wer diese Ausnahmekünstlerin, deren Stimme oft als göttlich gepriesen wurde, als Mensch war, was sie bewegte und belastete. Die zentrale These der Filmemacher lautet, dass Whitney Houston nie einfach nur sie selbst sein durfte.

Im Zentrum des Films, in dem viele Weggefährten zu Wort kommen, steht die Tournee von 1999. Damals wurden bislang unveröffentlichte Aufnahmen gedreht. Die Strapazen der Tour, die Zwistigkeiten zwischen Robyn Crawford und Bobby Brown kommen zur Sprache. Wer war nun schuld an Whitneys Drogensucht, ihr Mann, ihr Erfolg, ihre Familie, die finanziell von ihr abhängig war? Alle Vermutungen zielen letztlich ins Leere, denn es wird auch gesagt, dass Whitney schon in jungen Jahren Drogen nahm. Die Frage, was Whitney wirklich bewegte, muss offenbleiben, denn sie selbst beantwortete beispielsweise Gerüchte über lesbische oder bisexuelle Neigungen nicht. Vielleicht, so legt es dieses filmische Material mit den vielen allzu knappen Statements nahe, konnte Whitney nicht zu einer gefestigten Persönlichkeit reifen. Eine gespenstische Szene zeigt, wie sie 1999 ihre kleine Tochter Bobby Kristina auf die Konzertbühne holt und hinter ihr zu stampfenden Rhythmen wild zu hüpfen beginnt. Die Tochter sollte später ebenfalls drogensüchtig werden und ihre Mutter nur um drei Jahre überleben.

Vielleicht war Whitney auf den Stress eines Lebens im Rampenlicht nicht genügend vorbereitet. Es gibt wunderbare Ausschnitte aus Konzerten, in denen das Ausnahmetalent dieser Künstlerin wieder zum Leben erwacht, aber sie verglühen im Gesamtfilm allzu rasch, wie Sternschnuppen. Denn die Grundatmosphäre ist traurig, immer vom Niedergang überschattet. So schmerzt es letztlich auch, dass dieser von Whitneys Erben nicht autorisierte Film so wenig Ähnlichkeit mit einer künstlerischen Hommage besitzt. Er achtet mehr auf die dunkle Seite der Biografie und verläuft sich dort quasi.

Fazit: Der Dokumentarfilm über Whitney Houston rekapituliert den kometenhaften Aufstieg der amerikanischen Sängerin und ihren tragischen Absturz. Im Zentrum steht die Frage nach den Ursachen ihrer Drogensucht, der sie im Alter von 48 Jahren erlag. Doch anstatt einer Antwort bekommt das Publikum ein Kaleidoskop möglicher Gründe aufgezeigt, die mehr Spekulation als Gewissheit bleiben müssen bei einer Künstlerin, die ihre privaten Ansichten nie an die große Glocke hängte. Weil ihm die Persönlichkeit der Sängerin so viele Rätsel aufgibt, hinterlässt der Film einen zwiespältigen Eindruck.





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