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Kritik: Dream Boat (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Kreuzfahrten sind im Trend, doch das Dream Boat zieht aus einem ganz besonderen Grund hinaus ins blaue Meer. Es bietet eine Woche lang schwulen Männern aus ganz verschiedenen Ländern eine Insel der Geborgenheit, auf der sie unbeschwert feiern können. Der Alltag mit seinen Restriktionen und Sorgen bleibt zurück an Land. Kaum hat das Dream Boat Kurs aufs offene Mittelmeer genommen, versammeln sich auf dem Oberdeck erwartungsfroh dreinblickende Passagiere. Sie zeigen viel nackte Haut, die sie mit erotischen Outfits schmücken. Der deutsche Dokumentarfilm von Tristan Ferland Milewski beobachtet das bunte Partytreiben und versucht am Beispiel von fünf Männern zu ergründen, welche Wünsche und Fragen an das Leben die Passagiere beschäftigen.

Die Dream Boat-Gemeinschaft entpuppt sich rasch als speziell. Denn hier wird ausgiebiger dem Körperkult gefrönt und die eigene Sexualität gefeiert, als es beim nächtlichen Ausgehen normalerweise der Fall ist. Die Männer haben für die Motto-Partys auf dem Oberdeck fantasievolle und verspielte Anziehsachen mitgebracht, Federboas, Stöckelschuhe, Push-Up-Badehosen, schwarzes Leder. Unter freiem Himmel wird getanzt und Körperkontakt gesucht – aber der Inder Dipankar steht enttäuscht am Rand. Er glaubt, dass die Blicke der Männer zuerst den Hintern und das Geschlechtsteil taxieren und nicht dem Menschen an sich gelten. Im Chor der Stimmen, die Milewski zum Teil aus dem Off einfängt, spielt das Thema Jugend und Schönheit eine wichtige Rolle. Parallel dazu sprechen die Männer auch über die Angst vor dem Altwerden und der Einsamkeit. Im Laufe der sieben Tage an Bord wird immer deutlicher, dass sich hier in der Regel wahrscheinlich nicht der Partner fürs Leben finden lässt, dass die Passagiere aber dennoch gewinnbringende Erfahrungen machen.

Diesen Charakter der Kreuzfahrt als Selbstbefreiung aus der Last sozialer Repressionen für kurze Zeit, als psychische Wellness im Kreis Gleichgesinnter, fängt die Kamera in schönen Bildern ein. Sie filmt das Oberdeck auch aus der Luft oder betrachtet von außen die Fahrt des Schiffs ins Blaue. Die Männer ziehen in eine bessere Zukunft, indem sie einfach Spaß haben dürfen. Viel Musik begleitet diese Fahrt, auf der introspektive Momente zwar nicht fehlen, die atmosphärischen Eindrücke aber überwiegen.

Fazit: Der Dokumentarfilm begleitet 3000 schwule Männer auf einer Kreuzfahrt, auf der unbeschwert die eigene Körperlichkeit gefeiert wird. Das Schiff bietet für sieben Tage ein Refugium, das in geballter Form für die sozialen Einschränkungen entschädigt, die viele Passagiere an Land erleben. Am Beispiel von fünf Männern thematisiert der Film auch Problemfelder wie Jugendkult und Angst vor dem Altern, Schönheitsideale und die Sehnsucht nach wahrer Liebe. Aber im Vordergrund dieses launigen und musikalisch reich untermalten Bilderbogens steht die ausgelassene Atmosphäre an Bord.






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