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Kritik: Die Guten Feinde (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Filmemacher Christian Weisenborn erzählt in diesem Dokumentarfilm über seinen Vater, den Schriftsteller Günther Weisenborn, und einige seiner Mitstreiter, die während der Hitlerzeit in der Widerstandsgruppe Rote Kapelle aktiv waren. Sein Porträt dieser überzeugten Nazigegner holt eine Würdigung nach, die in der Bundesrepublik viele Jahrzehnte nach dem Krieg versäumt wurde. So geriet die Rote Kapelle beinahe völlig in Vergessenheit, nachdem sie noch in den 1960er Jahren in den Medien als kommunistischer Spionagering diffamiert worden war, wie das ehemals auch die Gestapo getan hatte. Ähnlich wie der kürzlich im Kino gelaufene Dokumentarfilm "Geschichte einer Liebe – Freya" über das Ehepaar Moltke und den Kreisauer Kreis hilft auch dieser Film, allmählich die merkwürdige gesellschaftliche Wissenslücke über die deutsche Widerstandsbewegung gegen Hitler zu schließen. Denn es gehörten ihr noch viel mehr Menschen an als die prominenten Mitglieder der Weißen Rose und die Männer des 20. Juli.

Weisenborns Film vertieft sich zunächst mit seinen vielen Originalbildern in die Aufbruchstimmung, die in der Berliner Boheme und Avantgarde zwischen den Weltkriegen herrschte. Günther Weisenborn gehörte der pazifistischen Jugendbewegung an und erlebte mit 26 Jahren die Aufführung seines Antikriegsstücks "U-Boot S4" an der Berliner Volksbühne. Der Filmtitel ist der Name eines Schauspiels, das er mit Harro Schulze-Boysens Frau Libertas schrieb. Die Widerstandsgruppe operierte während des Naziregimes im Verborgenen, viele ihrer rund 150 Mitglieder waren als Künstler tätig oder sogar in politischen und militärischen Positionen anzutreffen.

Weisenborn lässt neben historisch bewanderten Experten auch seine Mutter und Angehörige anderer Mitglieder der Roten Kapelle zu Wort kommen. Oft wird in Voice-Over aus den Tagebüchern Günther Weisenborns vorgelesen. Es entsteht, begleitet von Schlagern wie "Roter Mohn" oder "Lili Marleen", das Porträt einer lebhaften, engagierten Freundesgruppe, die auch in der Nazizeit feierte, Ausflüge machte, sich aber nicht gleichschalten ließ. Immer wieder wechseln sich im Bild Straßenszenen, etwa vor dem Berliner Café Kranzler, von damals und von heute ab. Auch mit diesem Brückenschlag demonstriert der Film, dass die Rote Kappelle zur Wirklichkeit Berlins gehörte und ihren Platz im öffentlichen Bewusstsein beanspruchen darf.

Fazit: Der Filmemacher Christian Weisenborn beschäftigt sich in diesem historisch aufschlussreichen Dokumentarfilm mit dem Leben seines Vaters Günther Weisenborn, der Mitglied der während der NS-Zeit gegründeten Widerstandsgruppe Rote Kapelle war. Reichhaltige Originalquellen wie Fotografien, Filmaufnahmen und Tagebucheinträge fügen sich, flankiert von Interviews, zu einem lebhaften Porträt dieses mutigen Mannes und seiner Mitstreiter. So holt der Film eine Würdigung dieser wenig bekannten, auch Jahrzehnte nach dem Krieg verleumdeten Gruppe nach, die ihr die Gesellschaft weitgehend schuldig geblieben ist.






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