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Embrace
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© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Embrace - Du bist schön (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Taryn Brumfitts Dokumentarfilm bezieht Stellung gegen den Schönheits- und Schlankheitswahn, der die große Mehrheit der Frauen dazu bringt, unzufrieden mit dem eigenen Körper zu sein. Die dreifache Mutter aus Australien erzählt nicht nur, wie sie lernte, sich mit selbst zu versöhnen, sondern interviewt auch zahlreiche andere Frauen, die sich ebenfalls vom gängigen Schönheitsideal emanzipiert haben. Diese Frauen steuern als Social-Media-Aktivistinnen, Entscheidungsträgerinnen oder Privatpersonen ihre Erfahrungen bei und liefern Gegenbilder zu den angeblich perfekten Frauenkörpern mit Modelmaßen aus der Werbung. Auch Nora Tschirner, die als ausführende Produzentin fungiert, spricht vor der Kamera. Ihre Botschaft an die unzähligen mit ihrem Körper hadernden Geschlechtsgenossinnen lautet: "Überlegt Euch, was Ihr mit Eurer Lebenszeit wirklich anfangen wollt."

Der Film beackert sein Thema, das von der Frauenbewegung der 1970er und 1980er Jahre leider nicht gelöst werden konnte, auf erstaunlich vielfältige Weise. Ein Aspekt ist das Diktat von Jugend und Schlankheit. Taryn demonstriert, wie ihr Körper mittels Computerretusche auf Modelmaße getrimmt werden kann: Die in Magazinen abgebildeten Frauenkörper haben mit der Realität nicht mehr viel zu tun. Dann lässt Taryn ihren Körper von einem Schönheitschirurgen inspizieren und führt dabei vor, wie fragwürdig die von ihm vorgeschlagenen Eingriffe klingen. Ein weiterer Aspekt sind die Gegenbilder: Taryn spricht mit Models, einer Fotografin, einer Magazinredakteurin, die Mut zu Normalmaßen oder auch fülligeren Körpern beweisen. Immer wieder lautet ihre Schlussfolgerung, dass jeder Körper in seiner Besonderheit viel sympathischer ist, als es das seelenlose Resultat einer quälenden physischen Selbstoptimierung wäre. Frauen brauchen die Solidarität der Gemeinschaft, die Gegenbilder veröffentlicht, denn der Druck auf jede einzelne ist mächtig.

Es treten auch Frauen vor die Kamera, die gelernt haben, selbstbewusst zu ihren Körperanomalien zu stehen. Eine bärtige Frau ist darunter und eine mit verbrannter Haut. Gerade diese Beispiele demonstrieren sehr eindrucksvoll, dass jede Frau die Freiheit besitzt, sich selbst zu akzeptieren und sich von Idealen, die ihr nicht guttun, abzuwenden. Den eigenen Körper anzunehmen befreit von zwanghaften Gedanken und Verhaltensweisen. Das sagen in diesem Film Frauen, die gelernt haben, sich den Blick auf sich selbst nicht verbiegen zu lassen.

Fazit: Die australische Fotografin und dreifache Mutter Taryn Brumfitt plädiert mit ihrem anregenden und engagierten Dokumentarfilm dafür, dass Frauen ihre Körper mit ihren individuellen Besonderheiten akzeptieren und mögen. Zusammen mit Gesprächspartnerinnen hauptsächlich aus der Medien- und Modebranche demonstriert sie, wie wichtig es ist, dem gängigen Ideal des makellosen, dünnen, jungen Frauenkörpers andere Bilder entgegenzusetzen. Diese zeigen selbstbewusste, im Leben stehende Frauen, die ihre persönliche Haut nicht schamvoll verbergen.





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