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Kritik: Fighter (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von Susanne Binninger porträtiert drei Männer, die den umstrittenen Kampfsport Mixed Martial Arts (MMA) betreiben. Sein Interesse gilt dabei weniger den aggressiven und zum Teil brutalen Wettkampfszenen, obwohl er diese auch nicht ausblendet. Vielmehr beobachtet Binninger die Männer vor allem beim alltäglichen Training und im Umgang mit Sportlerkollegen. So kontrastiert die Friedfertigkeit, die die drei Protagonisten außerhalb des Rings ausstrahlen, die bei Wettkämpfen geforderte Aggressivität. Binninger trifft auf Charaktere, die sich dem Klischeebild verweigern. Damit bietet ihr Film interessante Einblicke in eine Außenstehenden wenig bekannte Szene.

Wer den bedächtig formulierenden Andreas sprechen hört, würde ihn nicht für einen Mann halten, dem der physische Kampf Spaß macht. Dabei sind es gerade das Risiko und die Gelegenheit, moralische Zurückhaltung abzustreifen, die ihn an MMA so faszinieren. Man hätte gerne mehr über diesen widersprüchlichen Charakter erfahren und auch darüber, wie er mit dem Problem des Alterns umgeht. Aber Binninger fragt nicht nach, sondern setzt vorwiegend auf Beobachtung. Dieser Zugang wirkt sich natürlich positiv auf die Atmosphäre aus, es entsteht eine unmittelbare Nähe zu den Porträtierten. Das gilt besonders für die vielen Szenen, in denen es um die freundschaftliche Beziehung von Khalid und Lom-Ali geht. Allmählich lässt sich erahnen, dass diese Männer in der Gemeinschaft der Sportler die soziale Anerkennung suchen und auch bekommen, die sie in der deutschen Gesellschaft vielleicht sonst vermissen. Aber zu kämpfen und keine Angst vor Verletzungen zu haben, gehört offenbar auch zum tradierten Männlichkeitsbild dieser Migranten.

Die Schnitte des Films wirken eher impressionistisch, als dass sie einer klaren zeitlichen oder erzählerischen Abfolge dienen. Oft weiß man bei einzelnen Szenen nicht so genau, wie sie zeitlich in Relation zu den anderen stehen. Diese Vagheit kann stören, während sich die Absage an reißerische Töne, etwa bei der sehr dezenten Musik oder selbst bei der Inszenierung der Kampfszenen, ausgesprochen angenehm bemerkbar macht. Man muss kein Fan dieser Sportart werden, um mit diesen Männern mitzufiebern und Sympathien für sie zu entwickeln.

Fazit: Susanne Binningers Dokumentarfilm porträtiert drei Profis aus dem deutschen Mixed-Martial-Arts-Sport ohne reißerische Töne. Die intensive Beobachtung der Männer ermöglicht die Entdeckung von Charakteren, die dem Klischeebild vom aggressiven Draufgänger zumindest außerhalb des Rings widersprechen. So bietet der Film lohnende Einblicke in ein soziales Milieu, das Außenstehenden wenig bekannt ist. Dem Film liegt mit seiner sorgfältigen stilistischen Gestaltung das Atmosphärische allerdings mehr am Herzen als größtmöglicher Informationsgehalt.





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