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Kritik: Churchill (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Drama von Regisseur Jonathan Teplitzky beleuchtet vier Tage im Leben des englischen Premiers Winston Churchill. Sie zeigen einen Staatsmann, den ausgerechnet am Vorabend des D-Day im Juni 1944 der Mut verlässt. Churchill hatte seine Landsleute vier Jahre zuvor noch beseelt auf den Kampf gegen Hitlerdeutschland und seinen Blitzkrieg eingeschworen. Nun aber sucht ihn die Erinnerung an das traumatische Gemetzel von Gallipoli im 1. Weltkrieg heim und er befürchtet, etwas Ähnliches werde sich an der Küste der Normandie ereignen. Dem Premier kommt die Zuversicht abhanden, die seine Landsleute und vor allem die Soldaten so dringend brauchen.

Churchill wird hier als ein alter Mann gezeichnet, dessen Einmischung die militärische Führung stört. Der britische General Montgomery und der Amerikaner Eisenhower geben nicht das Geringste auf seine militärische Erfahrung, die sie als gestrig bespötteln. Churchill aber ist stur und rechthaberisch. Seine Entourage stöhnt, versucht ihn zu beschwichtigen, aber das kann letztlich nur seine Ehefrau Clemmie. Und ein wenig auch der König, der Churchill mit einer an "The King's Speech" erinnernden Rede unter vier Augen zur Vernunft bringen will. Churchill wirkt mit seinen Depressionen, Zornesausbrüchen, Erinnerungen wie eine ziemlich simpel aus Tatsachen und Überlieferungen rekonstruierte Figur. Er soll eine Nervensäge sein und zugleich immer erkennbar nur das Beste wollen, nämlich so viele britische Soldaten wie nur möglich vor dem Tod bewahren.

Brian Cox spielt Churchill als sympathisch weltfremd, als einen Charakter, der vom Publikum freundlich belächelt werden soll. Die Worte, die der König an ihn richtet, zielen ebenfalls erkennbar auf Zuschauerwirksamkeit ab und das gilt auch für die Mühe, die die pragmatische Clemmie mit ihrem Mann hat. Die Personen und ihre Handlungen sind in diesem Film vor allem leicht verständlich und dadurch schon wieder zu klischeehaft für Menschen aus Fleisch und Blut. Es fehlt die Präsenz und eine gewisse Offenheit für Widersprüche, fürs Spontane. Wenn Churchill am Strand einmal selten einsichtig sagt, es sei wohl das Beste, sich ein paar Tage Erholung auf dem Land zu gönnen, dann schickt der Film symbolisch einen Mann in Rente, der von 1951 bis 1955 noch einmal britischer Premier sein wird. Ganz so gestrig, wie Churchill hier auftritt, war er also wohl doch noch nicht.

Fazit: Das von Jonathan Teplitzky inszenierte Drama klärt darüber auf, dass der britische Premierminister Winston Churchill kurz vor dem D-Day im Juni 1944 den Erfolg der militärischen Operation anzweifelte und mit seinen Interventionen für Unruhe sorgte. Für ein restlos überzeugendes Psychogramm eines alten Mannes, dem ein Trauma aus dem Ersten Weltkrieg und Depressionen zu schaffen machten, ist die Figurenzeichnung zu klischeehaft. Allgemein wirken die Charaktere eher gespielt und geglättet als authentisch, so dass es dem Film trotz seines interessanten Themas an Biss und Spannung fehlt.





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