VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Another Forever - Die Stille um Alice
Another Forever - Die Stille um Alice
© Der Filmverleih GmbH

Kritik: Another Forever - Die Stille um Alice (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der aus Kolumbien stammende Regisseur Juan Zapata hat ein stilles, aber sehr intensives Drama über eine Zeit der Trauer inszeniert. Er verfasste gemeinsam mit seiner Hauptdarstellerin, der Brasilianerin Daniela Escobar, das Drehbuch, in dem wenig gesprochen wird und die Kraft der Bilder eine große Rolle spielt. Die 40-jährige Alice macht nach dem Tod ihres Mannes John eine schwierige Entwicklung durch, die tief in den Schmerz des Verlusts führt und dennoch auch allmählich zurück ins Leben.

Daniela Escobar schweigt als Alice die meiste Zeit und wirkt trotzdem sehr beredt, im ständigen Dialog mit ihren Erinnerungen. Wenn sie abends allein im Bett liegt, schiebt sich plötzlich Johns Hand über ihre. Aus Zuschauersicht ist die emotionale Botschaft, die aus der Kluft dieser beiden Szenarien am gleichen Ort spricht, elementar verständlich und sinnlich spürbar. Sehr sinnlich geht es dann auch weiter, auf Alices Europareise, auf der sie auf die vorbeiziehende Landschaft schaut oder als Spaziergängerin von städtischen Brücken aufs Wasser.

Stets nimmt sie einerseits die Impressionen der Umgebung sehr empfindsam auf, andererseits aber teilt sie sie unausgesprochen mit John. Vor den kurzen Flashbacks ihrer Erinnerung ist Alice nirgends sicher, zumal sie auch Orte aufsucht, von denen ihr John erzählt hatte. Ihre Kontakte mit Menschen sind spärlich und können doch auch intensiv, heilsam sein. Zuweilen macht sich ein Ausdruck von Zufriedenheit auf Alices Gesicht bemerkbar, glaubt man, ein schwaches Lächeln zu erkennen. Aber man ahnt, dass auch dieses John gehört, weil Alice eine Reise mit ihm nachholt, oder er mit ihr, um sie mit dem Leben zu versöhnen.

Die Stille, die ruhigen Aufnahmen wirken sehr unmittelbar, dieser Film scheint zu atmen. Die Kamera verliebt sich in Amsterdam, in die österreichischen Berge. Aber dennoch nimmt sie die Position eines Gastes ein, der sich den Bildern probeweise hingibt, gerade weil er nicht vorhat, zu bleiben. Der das, was er zu sehen bekommt, mit imaginiert. Wer trauert, ist allein, tendenziell abgeschnitten von seinen Mitmenschen. Und so verrät der Film auch all die Geheimnisse, die Alice umgeben, nicht ganz. Paradoxerweise ist ihr Erleben aber immer sehr präsent. Die Intensität der Trauer liegt ja auch im Paradoxen, im Schmerz und gleichzeitigen Erinnern des verlorenen Glücks. Es ist wunderbar, wie dieser Film ohne große Worte davon erzählt.

Fazit: Regisseur Juan Zapata und seine Co-Autorin Daniela Escobar, die auch die Hauptrolle spielt, vertiefen sich mit sinnlichen Bildern in die Trauerarbeit einer verwitweten Frau. Sie begibt sich auf eine Reise, auf der sie die Erinnerung an ihren geliebten Mann begleitet und sich zugleich eine zaghafte Versöhnung mit dem Leben bemerkbar macht. Die ruhige, wortkarge Erzählweise und die Bildkompositionen wirken luftig und lebendig. Sie spiegeln sehr beredt die innere Auseinandersetzung der Trauernden mit ihren Gefühlen und ihrer Zugehörigkeit zur Welt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.