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Die Nile Hilton Affäre
Die Nile Hilton Affäre
© 24 Bilder © Port au Prince Pictures GmbH

Kritik: Die Nile Hilton Affäre (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der schwedisch-ägyptische Regisseur und Drehbuchautor Tarik Saleh siedelt diesen spannenden und stilvollen Noir-Krimi nicht von ungefähr im Vorfeld der ägyptischen Revolution von 2011 an. Der Mordfall, der von einer wahren Geschichte inspiriert ist, führt den Ermittler Noredin tief hinein in die Abgründe eines korrupten Systems. Dessen zahlreiche Missstände sind auch der Grund, warum zu diesem Zeitpunkt immer mehr Menschen auf die Straße gehen, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Der Thriller, in dem der einsame Polizist Noredin seine gefährliche Entdeckungsreise ins Innere der Gesellschaft macht, erhielt auf dem Sundance Film Festival 2017 den Hauptpreis im internationalen Spielfilm-Wettbewerb.

Auch Jahre nach der Revolution ist die Staatssicherheit, die in dieser Geschichte nicht gut wegkommt, in Ägypten immer noch mächtig. Sie verbot dem Filmteam die Dreharbeiten in Kairo, so dass es nach Casablanca ausweichen musste. Salehs nicht nur rückblickend intendierte Systemkritik kommt offenbar immer noch ungelegen.

Der Witwer Noredin ist ein einsamer Wolf, selbst auf dem Polizeirevier, das sein Onkel leitet. Oft fährt er, mit einer Zigarette im Mund, durch die Straßen der sich schier endlos ausbreitenden Stadt. Gerade die unbewegte Miene, mit der ihn Fares Fares spielt, macht Noredin zum Sympathieträger. Im Grunde kennt der Mann das System, in dem er mal Befehlsempfänger der Mächtigen sein soll, mal selbst von seiner Macht als Polizist profitiert, um sich ein paar Vorteile zu verschaffen. Er ist also selbst ein kleines Rädchen im Getriebe der Korruption, hat aber seinen Glauben an die Rolle der Polizei noch nicht verloren. Vielmehr will er diesen Mordfall aufklären, koste es, was es wolle. So nimmt er in der Geschichte eine Art Doppelrolle ein, die ihn zerrissen, naiv und verletzlich wirken lässt.

Trotz der Stimmung lauernder Gefahr und dem Gefühl, dass Noredin es mit übermächtigen Gegnern zu tun bekommt, ist die Geschichte auch von dezentem Humor durchzogen. Er entsteht eher unauffällig in Dialogen, mit denen der Regisseur die absurden Mechanismen des Tretens und Kuschens entlarvt. Draußen protestiert das Volk gegen das politische System, von innen heraus will dieser Ermittler, in seiner Eigenmächtigkeit dem Ritter von der traurigen Gestalt nicht unähnlich, den Lauf der Dinge ändern. Das wird zumindest für ihn nicht ohne schmerzhafte Erkenntnisse zu Ende gehen.

Fazit: Am Vorabend der ägyptischen Revolution von 2011 ermittelt ein Polizist in Kairo in einem undurchsichtigen Mordfall, in den mächtige Leute involviert zu sein scheinen. Wie der schwedisch-ägyptische Regisseur Tarik Saleh dieses Film-Noir-Szenario vor dem realen Hintergrund einer gesellschaftlichen Zeitenwende entfaltet, erweist sich als ausgesprochen reizvoll. Denn die spannende Krimi-Handlung verdichtet die authentisch-kritische Schilderung von Korruption und Machtmissbrauch in der Ära Mubarak mit den Möglichkeiten der Fiktion sehr anschaulich und unterhaltsam.






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