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The Promise - Die Erinnerung bleibt
The Promise - Die Erinnerung bleibt
© Capelight Pictures

Kritik: The Promise - Die Erinnerung bleibt (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bis heute weigert sich die Türkei, den Völkermord an den Armeniern, dem während des Ersten Weltkriegs circa 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen, anzuerkennen. Der systematisch in Form von Deportationen in die Wüste, Todesmärschen und Massakern betriebene Genozid spielte sich weitgehend unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit ab und wurde auch filmisch nur selten thematisiert. Der deutsche Regisseur Fatih Akin erinnerte 2014 mit "The Cut" an diese historische Katastrophe und nun taucht sein britischer Kollege Terry George ("Hotel Ruanda") mit epischem Atem noch tiefer in die Epoche ein. Mit großem Aufwand und sorgfältig inszeniert, würdigt das Drama diese chronisch missachtete geschichtliche Tragödie angemessen und hilft, sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Liebesgeschichte im Zentrum des Films dient nicht nur der Romantikzufuhr. Sie verleiht den Charakteren deutliche Konturen und verankert sie plausibel in der Gesellschaft jener Zeit. Michael ist kein Mensch, der sich über sein Versprechen an die Verlobte und die Wünsche seiner Mutter hinwegsetzt, nur weil er Ana liebt. Die gebildete, fröhliche Ana ist mit ihrem Freund Chris nicht mehr ganz glücklich, seit sie Michael kennt. Und der cholerische Chris selbst wird emotional hart auf die Probe gestellt. Aber diese Menschen verbindet zugleich auch eine Freundschaft, die durch die äußeren Ereignisse noch verstärkt wird. Als vierter Freund fungiert der türkische Medizinstudent Emre (Marwan Kenzari), der Michael vor dem Militärdienst bewahrt. Diese Freundschaft bringt ihn selbst in Gefahr, denn der neue, radikale türkische Nationalismus geht mit kollektivem Hass auf die Armenier im Lande einher.

Wie ein Epos alter Schule verfolgt der Film die Wege dieser Freunde, während sich die Diskriminierung und Verfolgung der Armenier zum Völkermord auswächst. Ausführlich werden Deportationen und Massaker thematisiert. Unermüdlich engagiert sich der Amerikaner Chris dafür, die Weltöffentlichkeit mit Informationen über diese Gräuel zu versorgen, damit sich andere Länder wie die USA einschalten. Mit seinen vielen Schauplätzen, aufwändigen Kulissen, Requisiten und Kostümen ist Terry George nicht zuletzt ein opulenter Ausstattungsfilm gelungen. Es gelingt ihm sehr anschaulich, die historische Katastrophe am Beispiel von Individuen zu konkretisieren, die authentisch wirken und mit denen man mitfiebern kann.

Fazit: Regisseur Terry George erzählt in diesem aufwändig und sorgfältig gestalteten Geschichtsepos vom Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs. Die Handlung folgt den jungen Hauptfiguren, die ein Liebesdreieck verbindet, aus dem trügerischen Frieden vor Ausbruch des Krieges in ihre abenteuerlichen und verzweifelten Versuche, andere und sich selbst vor dem Tod zu retten. Die gelungene Charakterzeichnung trägt dazu bei, die Epoche wieder lebendig werden zu lassen und verleiht dem engagierten Film emotionale Glaubwürdigkeit.





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