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Pre-Crime
Pre-Crime
© Rise and Shine Films GmbH

Kritik: Pre-Crime (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Pre-Crime" wurde inszeniert vom Hamburger Regie-Duo Monika Hielscher und Matthias Heeder. Bereits seit über zwei Dekaden realisieren die Zwei gemeinsam Dokumentarfilme. Spezialisiert haben sie sich auf investigative Dokus. Ihr filmisches Werk umfasst dabei sowohl Filme für die große Kinoleinwand als auch fürs TV (u.a. ZDF, ARTE). Zu ihren bekanntesten Arbeiten bisher zählt "Money in Minutes". Seine Weltpremiere feierte "Pre-Crime" im Frühjahr dieses Jahres auf dem Hot Docs Filmfest im amerikanischen Toronto. Die Dreharbeiten führten Hielscher und Heeder u.a. nach Chicago und München.

"Pre-Crime" informiert den Zuschauer ausführlich darüber, wie einige Staaten die Handlung des 2002 erschienenen Steven-Spielberg-Blockbusters "Minority Report", heute bereits Realität werden lassen. Vor 15 Jahren schien es noch wie eine weit entferne Zukunftsvision, dass man künftige Verbrechen vorhersagen und Straftäter dingfest machen kann, bevor sie weitere Delikte begehen. "Pre-Crime" zeigt eindrucksvoll, wie weit u.a. die digitale Überwachung der Gesellschaft zwecks Verbrechensprävention, im Jahre 2017 bereits vorangeschritten ist.

Aber: Trotz aller technologischen Entwicklungen sind Hilfsmittel wie Computerprogramme und Analyse-Tools nicht frei von Fehlern und Anfälligkeiten. Auch das zeigt der Film, der die Pre-Crime-Überwachung kritisch hinterfragt und zum Glück zu keinem Zeitpunkt Gefahr läuft, die wahr gewordene Zukunfts-Utopie undifferenziert zu glorifizieren. Zunächst aber zeigt der Film die unglaublichen Möglichkeiten der Gewalt- und Verbrechensprävention, die sich schon heute durch Methoden wie "Predictive Policing" und ähnliches, ergeben.

Die Filmemacher begaben sich u.a. auch nach München, um deutlich zu machen, dass auch schon längst bei uns in Deutschland modernste, auf statistischen Auswertungen beruhende Verfahren zum Einsatz kommen. In der bayerischen Landeshauptstadt etwa arbeiten Ermittler mit der Klassifizierung bestimmter Stadtgebiete nach deren Einbruchspotential. Programme und Algorithmen werten musterhaftes Einbruchsverhalten bestimmter Straftäter aus und können so anhand von Statistiken vorhersagen, wo der nächste Einbruch passieren wird.

Das große Dilemma von Methoden wie "Predictive Policing" aber ist, dass computergenerierte Listen, in die die Menschen eingeteilt werden, letztlich auch eine Bewertung sowie Brandmarkung verursachen. Teils auf Basis ganz harmloser Vorgänge und Verhaltensweisen, werden dort Menschen gelistet, die – angeblich – am ehesten Gefahr laufen, eine Straftat zu begehen oder Opfer einer solchen zu werden. Etwa, weil sie mit den "falschen", da tatsächlich straffällig gewordenen Personen verhaftet wurden oder lediglich unbedeutende, kleinere Vergehen begingen. Etwa Glücksspiel oder das Rauchen von Gras. Das Problem: einmal auf der Liste, ist man für lange Zeit wenn nicht für immer gebrandmarkt, im Visier der Ermittler und damit leichter sowie schneller Vorurteilen ausgesetzt.

"Pre-Crime" zeigt also auch, und das ist das große Verdienst des Films, dass man kein Verbrecher sein muss, um fälschlicherweise unter Verdacht zu stehen und unverhältnismäßiger, ungerechtfertigter Überwachung ausgesetzt zu sein.

Fazit: Kritisch und objektiv hinterfragt der Film Möglichkeiten und Gefahren modernster präventiver Ermittlungstechniken – differenziert und allumfassend.





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