VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
ACT! - Wer ich bin?
ACT! - Wer ich bin?
© missingFilms

Kritik: ACT! - Wer ich bin? (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine Geschichte, wie sie der Dokumentarfilm "Act! Wer bin ich?" erzählt, kann schnell unter den guten Absichten der Macher leiden. Der Versuchung, sich bei der Inszenierung an populären Rührstücken aus Hollywood zu orientieren, ist zudem schon so mancher Regisseur erlegen. Doch "Act!" ist weit weg von besserwisserischer Bevormundung oder sentimentalen Klischees, wie man sie etwa aus Dramen wie dem Michelle-Pfeiffer-Vehikel "Dangerous Minds" (1995) kennt. Stattdessen beweist der Film erneut, welch einen einfühlsamen Dokumentarfilmer das deutsche Kino in Regisseur und Drehbuchautor Rosa von Praunheim gefunden hat.

Unpathetisch und mit einem ebenso nüchternen wie neugierigen Blick schaut von Praunheim auf seine Protagonisten. Neben der Pädagogin Maike Plath, die ihren Lehrerberuf und das Schulsystem erst hinter sich lassen musste, um ihre Berufung als Theatermacherin zu finden, stehen vor allem die Jugendlichen, mit denen Plath arbeitet, immer wieder im Mittelpunkt. Von Praunheim macht auch in seinem neuesten Film keinen Hehl aus seiner Sympathie für gesellschaftliche Außenseiter und gibt Plath sowie ihren Schauspielern daher ausführlich Raum, um von sich zu erzählen.

Dadurch erscheint "Act!" mitunter als eine filmische Fortführung von Plaths Theaterarbeit. Denn auch hier geht es in erster Linie darum, den Mitwirkenden eine Form des individuellen Ausdrucks zu ermöglichen sowie die oft von Brüchen geprägten Biografien spielerisch aufzuarbeiten und zu reflektieren. Eine weitere Parallele zwischen von Praunheims Werk und Plaths Schaffen findet sich schließlich in der Arbeit mit Laien: Die Energie, die hier entsteht, ist bemerkenswert und lebt von ihrem ungeschliffenen Charme sowie einer großen Authentizität.

Die kurzweilige Mischung aus Interviews, Archivmaterial und mit der Handkamera eingefangenen Impressionen macht "Act!" absolut sehenswert. Bisweilen mutet der dramaturgisch eher locker dahintreibende Film zwar etwas oberflächlich und ziellos an, die wertvollen Einblicke, die von Praunheim hier gewährt, machen dies aber mehr als wett. Zudem gelingt es dem Filmemacher auf unangestrengte Weise, den in diesen Tagen etwas überstrapazierten Begriff der Diversität tatsächlich mit Leben zu füllen und anhand seiner Protagonisten anschaulich zu machen.

Fazit: Rosa von Praunheims Dokumentarfilm blickt ohne Pathos, aber voller Sympathie und Neugier auf die Arbeit der Theatermacherin Maike Plath. "Act! Wer bin ich?" zeigt dabei zugleich auf unangestrengte Weise, wie wertvoll gesellschaftliches Engagement und kulturelle Diversität sind.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.