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Kritik: It Comes at Night (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der zweite Spielfilm des Texaners Trey Edward Shults ("Krisha") erzählt mit beklemmender Spannung, wie eine Familie in einem apokalyptischen Horrorszenario zu überleben versucht. Paul, Sarah, ihr Sohn Travis und der Großvater haben sich in einem Haus im Wald, fernab von jeder Zivilisation, verschanzt. Denn draußen rafft eine tödliche Infektionskrankheit die Menschen dahin. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Abschottung von der Außenwelt erreicht die Krankheit auch die Familie. Der infizierte Großvater bekam seine Angehörigen nur noch hinter Gasmasken zu sehen. Als die Familie einem Paar mit Kind Unterschlupf gewährt, fällt es Paul schwer, die Kontrolle über die Dinge zu behalten. Sein extremes Misstrauen gegen alle Einflüsse von außen setzt vor allem dem traumatisierten Travis zu, der seine Hoffnungen an das Leben immer wieder begraben sieht.

Der Endzeithorror besteht einerseits in der Ungewissheit, wo die Krankheit draußen lauert. Jeder fremde Mensch, der sich nähert, könnte sie in sich tragen. Wer überleben will, braucht Wasser und Vorräte. Niemand geht ohne Gewehr hinaus – und jeder kann leicht selbst ins Visier anderer Schützen geraten. Paul ist bereit, andere zu töten, um die Krankheit von seiner Familie fernzuhalten. In dieser Atmosphäre ist außerdem ein gedeihliches Zusammenleben im Grunde kaum mehr möglich. Travis erlebt diese psychische Belastung viel stärker als seine Eltern, die jeden Gedanken an die Absurdität ihres Überlebenskampfs tunlichst ausblenden.

So überzieht ein doppelter Horror das Geschehen, der äußere und der psychische, der seine eigene Dynamik entwickelt. Aus der Perspektive des traurigen, empfindsamen Travis erzählt, scheinen sich dessen Albträume immer mehr mit der Realität zu vermischen. Die Inszenierung spielt diese Ungewissheit geschickt aus, wenn der Junge nachts mit seiner Laterne durch die Korridore wandert oder im Wald in die Dunkelheit leuchtet. Seine bösen Fantasien und Vorahnungen werden auch durch das Bild "Der Triumph des Todes" von Pieter Brueghel dem Älteren inspiriert, das im Haus hängt. Die unheilvolle Stimmung und die ständige Gefahr werden durch die Musik verstärkt, die manchmal das Tempo mit treibenden Rhythmen ankurbelt. Joel Edgerton als Paul und der junge Kelvin Harrison Jr. als Travis verleihen der Handlung mit ihrer schauspielerischen Leistung eine ansprechende emotionale Tiefe und Brisanz.

Fazit: Eine beklemmende Atmosphäre begleitet in diesem Horrorthriller den Versuch einer Familie, sich in ihrem Haus im Wald vor einer tödlichen Ansteckungskrankheit zu verstecken. Die bedrohliche Stimmung infiziert nicht nur die Psyche der Charaktere, sondern auch die des Publikums. Joel Edgerton spielt den Familienvater sehr überzeugend, der alles unter Kontrolle behält, nur sein eigenes Misstrauen nicht. Für emotionale Tiefe sorgt aber vor allem die zentrale Figur des Jugendlichen Travis, der mit den Kräften des Zerstörung in seinem Geist ringt.





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