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Einmal bitte alles
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© Der Filmverleih GmbH

Kritik: Einmal bitte alles (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt der Regisseurin Helena Hufnagel ist ein spannendes, stimmiges Porträt der Millenials-Generation, in der jetzt die sogenannte Quarter-Life-Crisis ansteht. Gut ausgebildet, voller Vertrauen in die Selbstverwirklichung, drängen sie ins Berufsleben. Aber zwischen den begehrten Stellen und dem Heer der Bewerber und Praktikanten klafft ein schwindelerregender Abgrund, in den Isi, die junge Protagonistin der Geschichte, völlig ratlos blickt. Offenbar ist es ganz und gar nicht dasselbe, an die unbegrenzten Möglichkeiten zu glauben, die einem das Leben angeblich bietet, und dann das Nadelöhr zum Traumjob auch tatsächlich zu treffen. Auf einmal bekommt Isi, die mit ihren 27 Jahren schon Angst hat, auf die 30 zuzugehen, das Gefühl, an der Realität zu scheitern.

Isi wird zwar gnadenlos zum Pechvogel gestempelt, weil sie eine ganze Reihe von Pleiten durchleiden muss, aber dennoch wirkt der Film insgesamt ausgesprochen realistisch. Das liegt zum Teil auch an der wunderbaren Luise Heyer, die ihrer Hauptfigur Gemüt verleiht und sie mit Humor interpretiert. Isi ist hart im Nehmen, vor allem auch, was die zentrale Freundschaft mit Lotte anbelangt. Die Wege der beiden driften schnell auseinander und Isi kann das einfach nicht verhindern – im neuen Lebensabschnitt ist für den Traum schwesterlichen Miteinanders kein Platz mehr. Auch die Figur der aufstrebenden Lotte, des alternativ-schlumpfigen Musikers Klausi, des ordentlichen Medizinstudenten Daniel sind treffend und mit Sinn für satirische Zuspitzung gezeichnet.

Eine besondere Note bekommt der Film durch Isis Graphic-Novel-Projekt, das eine Brücke zu einer ganz anderen Ära schlägt, nämlich der von F. Scott Fitzgerald beschriebenen "Lost Generation" der 1920er Jahre. Isi hört beim Zeichnen immer eine Hörbuchversion des Romans "Die Schönen und Verdammten", für den Film in Voice-Over gesprochen von Jessica Schwarz. Auch bei Fitzgerald wartete auf die Protagonisten die Erkenntnis, dass die rauschhafte Sorglosigkeit der Jugend irgendwann nicht mehr weiterträgt. Isis Orientierungssuche zwischen Partynächten und Geldnöten, WG-Konflikten und schmollendem Rückzug wirkt gut beobachtet, unterhält und berührt zugleich. Auch die ansprechende Kulisse des Drehorts München trägt zum Gelingen dieses sehenswerten Films bei.

Fazit: Der Regisseurin Helena Hufnagel gelingt mit ihrem Spielfilmdebüt ein so unterhaltsames wie authentisches Porträt einer typischen Vertreterin der Millennials-Generation. Die mit der sympathischen Luise Heyer optimal besetzte Hauptrolle der Isi verliert beim Versuch, in den Traumberuf einzusteigen, die Illusion unbegrenzter Möglichkeiten. Ihre Quarter-Life-Crisis im Alter von 27 Jahren lässt keinen Bereich ihrer Existenz unangetastet, was der Film mit Humor und gutem Gespür für soziale Interaktionen und Milieus schildert.





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