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Kritik: Fikkefuchs (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Diese Komödie beantwortet die Frage, was Männer wollen, sehr sehr klar und ungeschminkt. Dabei bestätigt sie die Vorurteile und Befürchtungen von Frauen genüsslich. So wird dieser satirisch-selbstironische Männerfilm, bei dem Jan Henrik Stahlberg Regie führte, das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle des Rocky übernahm, eine Art Pendant zu dem "Ärzte"-Song "Männer sind Schweine". Es hat sich gelohnt, auf Mut und Frechheit zu setzen und dafür auf öffentliche Filmförderung und Senderbeteiligung zu verzichten. Der mittels Crowdfunding realisierte Film bietet frische, herrlich unkorrekte Unterhaltung, die schließlich trotzdem versöhnlich daherkommt.

In dieser Geschichte wird zum Gegenschlag ausgeholt gegen den permanente Rollenkonfusion, die dem Mann in der modernen Gesellschaft zugemutet wird. Er soll sexy, aber nicht lüstern sein, soll Frauen verstehen, aber auch wissen, wo es langgeht. Und dabei hat er oft genug doch nur den Eindruck, sich verleugnen zu müssen. Rocky ist sehr wortmächtig, er zieht in seinen Voice-Over-Kommentaren wie auch in seinen Lektionen für Thorben genüsslich vom Leder. So meint er zum Beispiel nach einem Besuch seiner besorgten Ex, bei alleinerziehenden Müttern sei der Vorwurf praktisch eingebaut.

Die Dialoge sind schamlos bis zur Schmerzgrenze in ihrem Bestreben, den Mann und seine Triebhaftigkeit aus dem Würgegriff zivilisatorischer Pflichten zu befreien. Dahinter steht allerdings auch stets erkennbar der pure Verliererkomplex, die Verzweiflung Rockys und Thorbens, weil sie bei Frauen nicht landen können. Trotz aller persönlichen Unterschiede schweißt die Not Vater und Sohn zusammen. Auch die Beziehungsdynamik gestaltet sich mit ihren Konflikten und Wortgefechten sehr reizvoll und ist immer gut für grelle Komik. Es gibt sogar etwas Fäkal- und Ekelhumor, der im Gegensatz zu vielen amerikanischen Filmen hier noch wirklich drastisch ausfällt.

Roh und ungeschliffen wirkt auch der Stil. Die Schnitte erfolgen oft unvermittelt, in den Lauf der Handlung schmuggeln sich Pornobilder, die Thorben online konsumiert, und seine vielen Selfie-Videos, in denen er seine unerquickliche Mentalität hinausposaunt. Und eine lange Montagesequenz demonstriert, wie viele Stellungen beim Sex im Auto möglich sind. Alles in allem ist diese grelle, deftig-satirische Komödie ein vergnüglicher Ausnahmefall im deutschen Kino.

Fazit: Jan Henrik Stahlbergs freche Komödie räumt mit dem Herumgedruckse des modernen, über seine Rolle verunsicherten Mannes auf, indem sie satirisch aufgelegt behauptet, er wolle sowieso nur das Eine. Ein ungleiches Vater-Sohn-Gespann zieht los, um Frauen aufzureißen und den lange unbefriedigten Sexhunger zu stillen, wobei dem Publikum die unkorrekten Dialoge nur so um die Ohren fliegen. Das deftige und zugleich pfiffige Vergnügen stellt eine lobenswerte Ausnahmeerscheinung in der deutschen Filmlandschaft dar.








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