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Kritik: Norman (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dieser tragikomischen Geschichte nimmt sich Regisseur Joseph Cedar des literarischen und historischen Archetypus eines Hofjuden an, der solange im Dunstkreis der Mächtigen geduldet wurde, wie er ihnen nützlich war. In seiner modernen Interpretation handelt es sich um einen Mann im New York der Gegenwart, der als Berater fungiert. Norman Oppenheimer macht nicht selbst Geschäfte, sondern will sie vermitteln und einflussreiche Leute zum gegenseitigen Nutzen zusammenbringen.

Das Problem ist nur, dass er außer seinem Neffen keine erfolgreichen Leute kennt. Norman ist ein Niemand, ein Möchtegern, der sich nach Anerkennung und Prestige sehnt. Er flunkert den Leuten, die er auf der Straße, im Zug oder am Telefon anspricht, wortreich vor, wen er alles kennt und was er in die Wege leiten könnte. Obwohl dieser Held eine im Grunde tragische Figur ist, ein Wichtigtuer, der Luftschlösser baut, passt er mit seinen Ideen doch auch ganz gut in diese New Yorker Welt des schönen Scheins, an der ihm so viel liegt. So bekommt das Drama einen possenhaften, auch satirischen Charakter.

Cedar teilt die Geschichte wie ein Bühnenstück in Akte auf, die mit Titeln versehen werden. Stilistisch und inhaltlich wirkt vieles ausgesprochen schelmisch. Einmal vollführen im Gedächtnis Normans wichtige Köpfe einen Vorstellungsreigen und gegen Ende kann es auch mal ein wenig surreal werden. Norman ist vom Pech verfolgt, immer wieder lassen ihn seine Kontakte, allen voran Eshel selbst, hängen. Richard Gere spielt den Mann mit einem nie endenden Eifer, einer Getriebenheit, die zuweilen pure Verzweiflung durchscheinen lässt. Normans Außenseitertum und Einsamkeit rühren an, besonders, wenn seine Hoffnungen enttäuscht werden.

Dabei dient der Charakter Norman der Geschichte auch als symbolischer Narr, der die wahre Natur seiner Gesprächspartner offenbaren hilft. Beziehungen sind tatsächlich das Wichtigste in den politischen und wirtschaftlichen Kreisen, zu denen Norman gehören will. Und er scheitert oft nur, weil die anderen nicht mitziehen. Witzigerweise nämlich hat er oft gute Ideen, die ihn zum Berater und Vermittler prädestinieren. Was ihm aber dann doch fehlt, ist gerade die Gerissenheit der Mächtigen, die er kontaktiert, und auch das nötige Maß an Misstrauen und Vorsicht im Umgang mit Fremden. Diese originelle, gut gespielte Geschichte bietet Kinokost abseits des Mainstreams.

Fazit: Richard Gere spielt in diesem tragikomischen Drama von Regisseur Joseph Cedar einen New Yorker Hochstapler, der mit Diensten und Gefälligkeiten zum Bekannten des israelischen Premierministers avanciert. Das persönliche Drama, das hinter der Getriebenheit der Hauptfigur durchscheint, rührt an und die satirischen Seitenhiebe auf die Entscheidungsträger, die ihre Kontakte nach Nützlichkeit sortieren, sitzen. Dieser Hauptcharakter überzeugt auch als schelmisch-liebevolle Hommage an die klischeebelastete historische Figur des Hofjuden.





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