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Kritik: Bandits (1997)


Vier Jahre mußten wir auf das Nachfolgewerk eines der grandiosesten und erfolgreichsten Abschlußfilme einer deutschen Filmhochschule warten. 1993 überraschte uns Katja von Garnier mit "Abgeschminkt", 1997 dürfen wir uns auf "Bandits" freuen, ein Film, dessen Blut durch und durch von Musik infiziert ist, von geiler Musik, und das unheilbar und mit jeder Konsequenz. Dies ist der Ausgangspunkt und das Lebenselexier, aus dem ein Film seine Kraft zieht, dessen Bilder sich weniger nach traditionellen Erzählstrukturen, sondern viel mehr nach Takt und Rhythmus von Notenschlüsseln und Frauenrock richten. Wen dies stören sollte, wer die Nase rümpft und verächtlich das Wort "Videoclipästhetik" in den Mund nimmt, der sollte sich fragen, warum er nur zu oft, ganz "unfreiwillig" beim Zappen an MTV oder VIVA hängen bleibt. Also keine falsche Arroganz! "Bandits" bedient sich hemmungslos im Malkasten von Werbebildern und Musikvideos, und nur dadurch gelingt ein Film, in dem beeindruckende Farben außergewöhnliche Atmosphären auf die Leinwand pinseln, und das nicht schüchtern oder verschämt, sondern offensiv und frech.
Auch die Auftritte des österreichischen Supermodels Werner Schreyer als gekidnappter Amerikaner (!) reihen sich nahtlos in den umwerfenden Bilderreigen, in dem eine Einstellung schöner ist als die andere. Selten ist eine deutsche Brücke von Deutschen so undeutsch inszeniert worden. Und noch seltener wurde ein Industriehafen zur Kulisse von Triumph und Lebensfreude. Dort wo normalerweise wabernde Nebelschwaden diesige Novemberstimmung verbreiten, sorgen die vier Knastvögel, bewaffnet mit "Schlagstöcken und Schlaginstrumenten", für einen anarchischen Traum von Freiheit und Unendlichkeit. Wenn sich jemand für die Machart des Films entschuldigen müßte, dann nur dafür, daß man diesen fesselnden Bildersturm nicht konsequent genug über die gesamte Länge wirbeln ließ, denn in einigen konventionellen Standardsituatioen entsteht doch ab und zu der Eindruck, als hätte man letzendlich ein wenig Angst vor der eigenen Courage gehabt und vorsichtshalber einige "normale" Passagen eingefügt, um die gute alte Schule nicht zu beleidigen oder scharfäugige Kritiker milder zu stimmen.
Doch trotz dieser stellenweisen Rücksichtnahme auf konservative Sehgewohnheiten drückt man gerne ein Auge zu, zumal die vier Hauptdarstellerinnen oft genug mit überschwenglichen, aber auch nachdenklichen "Ausbruchsversuchen" verwöhnen. "Bandits" ist in jeglicher Hinsicht ein Ausbruchsversuch, über weite Strecken geglückt und herzhaft zu genießen. Vier Monate nach "Knockin' on Heaven's Door" ziehen vier weitere junge und junggebliebene Menschen durch deutsche Lande, haben Spaß an Ungezwungenheit und Spontanität und verstecken sich nicht hinter langweiligen und grüblerischen Masken. Denn in ihren Adern pulsiert Musik.





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