Ein großer Wurf ist Caroline Link mit diesem Drama gelungen, das episch und intim zugleich die Geschichte einer Ehe in der Emigration beschreibt. Frau und Tochter fliehen 1938 vor den Nazis zum Gatten nach Afrika. Brillant inszeniert und gefilmt...
Inhalt
Die jüdische Familie Redlich emigriert 1938 nach Kenia. Walter Redlich, ein Anwalt, arbeitet als Verwalter auf einer Farm. Während Ehefrau Jettel, Tochter aus gutbürgerlichem Hause, sich nur schwer an das neue Leben gewöhnt, blüht die schüchterne Tochter Regina richtig auf: Sie lernt Sprache und Gebräuche und findet in dem Koch Owuor einen guten Freund. Doch der Verlust von Heimat und Verwandten bedroht die Ehe ihrer Eltern. Als der Krieg zu Ende ist, wird Walter eine Anstellung als Richter in Frankfurt angeboten. Aber inzwischen ist es fraglich, ob Jettel und Regina mit ihm zurückkehren werden...
Caroline Link würde in ihrem Emigrantendrama "Nirgendwo in Afrika" den Schwarzen Kontinent nicht als Mythos für zivilisationsmüde Abenteurer zeichnen, heißt es sinngemäß in einer Rezension dieses Films. Eine mutige Aussage, wenn man bedenkt, dass der Blick deutscher Juden während der Nazi-Zeit auf Grund der zeitüblichen Informationslage (die Mediengesellschaft ist eben noch weit weg) nur der Blick auf etwas Fremdes sein kann, dass man über verschiedenste Kolportagewege wie Abenteuerromane oder die spärlichen Berichte der bereits zuvor Ausgewanderten kennenlernte. Insofern unterscheidet sich die Sichtweise der jüdischen Emigranten von klischeeromantischen Vorstellungen, wie sie in "Jenseits von Afrika" oder "Ich träumte von Afrika" zum Ausdruck kommen, nur durch die Interpretation. Auch in Links Film erscheint Afrika als der große, fremde, archaische Kontinent, den ein immerwährendes Geheimnis umwittert. Die Eingeborenen mit ihren seltsamen Riten sind ein völlig unverständliches Buch für Jettel, und das Land erscheint auch hier als grandioses Schöpfungsgeschenk Gottes, wenn sich in malerischer Weise die Panoramen vor die Kamera drängen. Der Unterschied zu den eben erwähnten Kitschfilmen besteht nur darin, dass die jüdischen Emigranten in der Tat keine Abenteurer sind. Das heißt, sie können mit dem Mythos nichts anfangen. Anstatt ihn sich zu eigen zu machen, lehnt Jettel ihn ab, so dass sie deswegen zunächst keine kolonialistischen Tendenzen entwickelt, sondern einen Fluchtimpuls - im Prinzip so etwas wie eine potenzierte Emigration. Ihr Verhalten gegenüber den Schwarzen ist im Ergebnis aber das Gleiche. Voller Hochmut benimmt sie sich wie eine faschistische Herrscherin, welche ihre Gastgeber nur als niedere Lebensform akzeptiert. Jetzt muss man Caroline Link zwar eine gehörige Portion Mut bescheinigen, eine solche Figur auf die Leinwand zu bringen, aber die Gefahr des Schiefgehens ist naturgemäß sehr hoch. Insofern gelingt es Link nicht, diesen schwierigen Ansatz mit der nötigen Tiefe zu versehen. Der Hass auf die Schwarzen wird nur unkommentiert zu Schau gestellt, um dann in einer romantisch-schlingernden, "rassisch korrekten" Liebesgeschichte an den Rand gedrängt zu werden. Dies alles sollte letztlich zum pädagogischen Schlusssatz kulminieren: Ein zutiefst unangenehmer Film, der in seinen besten Momenten nicht klischeehaft sondern einfach langweilig ist.