Deutsche Komödie: Weil sie wollen dass die alten, gelben Telefonzellen wieder aufgestellt werden, entführen zwei Freundinnen den Chef eines deutschen Telefonkonzerns...
Inhalt
Die Freundinnen Katja (Claudia Basrawi) und Barbara (Nina Proll) entführen aus einer Laune heraus Harald Winter, Chef eines deutschen Telefonkonzerns. Sie fordern die Wiederaufstellung der schönen alten gelben Telefonzellen. In einem abgelegenen Ferienhäuschen zwingen sie Harald zu unbeschwertem Müßiggang. Der ist zunächst empört über die Unprofessionalität der Entführung und ärgert sich, dass ihm sein freies Wochenende vermiest wird. Als aber seine zaghaften Fluchtversuche scheitern, findet er schnell Gefallen an den Abenden mit Spiel, Tanz und Eierlikör, zu denen Katja und Barbara ihn verführen. Besonders die bezaubernde Barbara lässt ihn sein altes Leben mehr und mehr vergessen. Statt Vorstandssitzung macht er Kaffeepause, statt Bilanzen liest er Belletristik, und der Waldlauf ersetzt den Verhandlungsmarathon. Der erpresste Konzern scheint sich der Forderung zu beugen. Doch das Idyll ist bedroht, denn während die ersten gelben Telefonzellen aufgestellt werden, hat im Hintergrund bereits der skrupellose Sonderermittler Korn seine Arbeit aufgenommen...
Passend zum Siegeszug von Videocommunities a la Youtube hält
mit "Die Quereinsteigerinnen" der "Laienlook" auch im Kino Einzug. Das
Kinodebüt des Regieduos Rainer Knepperges und Christian Mrasek kommt zwar
weniger improvisiert daher als vor allem die ersten Minuten glauben machen, feiert
aber sowohl inhaltlich als auch optisch lockere Unprofessionalität als Mittel zur
Flucht aus dem grauen Alltag. So wurde der gesamte Film auf Videomaterial gedreht.
Und das, so behaupten zumindest die Filmemacher, nicht etwa aus Budgetgründen, sondern
zur Spiegelung des inhaltlichen Leitmotivs "Improvisation".
Die durch diesen technischen Kniff, aber auch in der Darstellung, zur Schau gestellte Unprofessionalität ist
anfangs durchaus etwas irritierend und gewöhnungsbedürftig. Vor allem in der ersten Viertelstunde
wirken die Darsteller gelegentlich, als wüssten sie nicht recht, was genau sie tun sollen. Ob dies
nun als Stilmittel gedacht und folglich so gewollt, oder doch eine Folge von Improvisation ist, sei
dahingestellt - in jedem Fall stört es ein wenig. Aber wirklich nur ein ganz klein wenig, denn
die (scheinbar ?) planlosen Szenen werden im Verlauf seltener. Zudem sind die Hauptdarstellerinnen ein
Glücksfall: Claudia Basrawi als liebenswürdig-dusselige Nostalgikerin könnte kaum besser gecastet sein, während
Nina Proll eine so selten gute Performance hinlegt, dass sie schon allein den gesamten Film tragen könnte.
Am auffälligsten aber ist an "Die Quereinsteigerinnen" etwas ganz anderes: Der Film sieht bis zur letzten
Minute so aus, als hätten alle Beteiligten eine ziemliche Menge Spaß an der Sache gehabt. Und so hat man am Ende
tatsächlich fast selbst Lust, zur Videokamera zu greifen und einen Film zu drehen.
Fazit: "Die Quereinsteigerinnen" ist vielleicht kein Film für die großen Säle, aber in jedem Fall
ein wunderbarer Film für Festivals, Open Air- und Programmkinos und ein durchaus beachtenswertes Kinodebüt,
dass von den Regisseuren noch einiges erwarten lässt.