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Die Fremde

Userwertung 8/10

When We Leave

Deutsches Drama, inszeniert von Zeo Aladag mit Sibell Kekili in der Hauptrolle: Als Umay vor ihrem gewalttätigen Ehemann mit ihrem Sohn zu ihren Eltern nach Berlin flieht, wird sie von ihrer Familie verstoßen. Dass sie sich daraufhin wagt, ein eigenes Leben aufzubauen und sich weigert, ihren Sohn in die Türkei zurückzuschicken, bringt das Fass zum Überlaufen: Die Familie fasst einen folgenschweren Entschluss
Die Fremde - Mit Stipe FLORIAN LUKAS will Umay SIBEL KEKILLI ein neues Leben aufbauen MajesticDie Fremde - Umay SIBEL KEKILLI möchte zusammen mit Stipe FLORIAN LUKAS in eine unbeschwerte Zukunft entfliehen MajesticDie Fremde - Flucht: Umay SIBEL KEKILLI nachts allein im Frauenhaus MajesticDie Fremde - Umay SIBEL KEKILLI genießt ihre neue Freiheit MajesticDie Fremde - Umay SIBEL KEKILLI blickt in eine ungewisse Zukunft MajesticDie Fremde - Rastlos: Umay SIBEL KEKILLI und ihr Sohn Cem NIZAM SCHILLER müssen weiterziehen Majestic
Inhalt
  • „Hör auf zu träumen!“, sagt die Mutter (Derya Alabora) zu ihrer 25-jährigen Tochter Umay (Sibel Kekilli), als diese mit ihrem kleinen Sohn Cem vor der Berliner Wohnungstür ihrer Eltern steht. Umay ist aus einem unglücklichen Eheleben in Istanbul ausgebrochen und will zurück in Berlin ein selbstbestimmtes Leben führen.
    Sie weiß, dass sie ihren Eltern und Geschwistern damit viel zumutet, hofft aber, dass die liebevolle Verbundenheit stärker ist als alle gesellschaftlichen Zwänge. Doch schon bald erkennt sie, dass ihre Familie die traditionellen Konventionen nicht einfach über Bord werfen kann und an der Herausforderung zu zerbrechen droht. Als die Familie beschließt, Cem zu seinem Vater in die Türkei zurückzuschicken, um den Ruf der Familie wieder herzustellen, flieht Umay erneut und bricht alle Brücken hinter sich ab.
    Umay verliebt sich in Stipe (Florian Lukas) und baut für Cem und sich ein neues Leben auf. Als sie versucht, sich wieder mit ihrer Familie zu versöhnen, erkennt sie nicht, dass es bereits zu spät dafür ist...
Credits
Awards, Auszeichnungen und Preise
Filmkritik
  • 2004 wurde die bis dahin völlig unbekannte Sibel Kekili als Hauptdarstellerin in Fatih Akins vielfach ausgezeichneten Drama "Gegen die wand" über Nacht berühmt. Bei der Verleihung des deutschen Filmpreises im selben Jahr wurde sie gar als beste Darstellerin 2004 ausgezeichnet. Dafür allerdings musste sie einen hohen Preis zahlen: Nachdem die Klatschpresse herausgefunden hatte, dass Kekili zuvor in einigen Pornofilmen mitgewirkt hatte, avancierte die türkischstämmige Schauspielerin zum Lieblingsopfer der Klatschpresse. Darüberhinaus brachen ihre Eltern den Kontakt zu ihr ab. Kaum hatte die Klatschpresse die Lust am Lästern über Kekili verloren, wurde es ingesamt ziemlich still um die Schauspielerin - und das obwohl sie unverdrossen auch in internationalen Projekten Rollen übernahm.

    So kommt es, dass die Schauspielerin erst mit ihrer Hauptrolle in dem zur Berlinale 2010 geladenen "Die Fremde" wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt. Mit dem Ehrenmorddrama legt die Regisseurin Feo Aladag ihr, mit einigen Abstrichen, gelungenes Debüt vor, ein stilles Arthouse-Drama, dass wenig mit Worten, dafür umso mehr mit Blicken erzählt. In weiten Teilen ruht der recht langsam und dialogarm inszenierte Film auf Kekilis Schultern - die diese Bürde aber gut verkraften kann. Die Farben sind eher blass, zudem wirkt der ganze Film vergleichsweise düster, da der größte Teil der Handlung in nicht wirklich gut beleuchteten Wohnungen spielt und Kekilis Hauptfigur selbst den Weg auf den Balkon erst gegen Ende findet.

    Die Story bemüht sich darum, nicht in simple Schwarz-Weiß-Zeichnerei zu verfallen. Auch die Motivation der Familie, der Druck unter dem sie handelt, soll hier nachvollziehbar erklärt werden. Das gelingt auch weitgehend, zumal Aladag eine insgesamt ganz gute Besetzung zusammengetrommelt hat - allerdings mutet das Script ausgerechnet Kekilis Figur dadurch einen gelegentlich etwas wankelmütigen Charakter zu: Eben ruft sie noch mutig die Polizei, um sich aus der Wohnung ihrer Eltern befreien zu lassen und verhindert gerade so die Entführung ihres eigenen Sohnes - und im nächsten Moment taucht sie, mit Sohn im Schlepptau, auf der Hochzeit ihrer Schwester auf, wohlwissend, dass nicht ein einziges Familienmitglied hinter ihr steht. Wie ein kleines Hündchen kann sie von ihrer Familie nicht lassen - pisst ihr aber ständig ans Bein. Entsprechend wirken unglücklicherweise alle Figuren nachvollziehbarer und als ausgerechnet die Hauptfigur und Kekili muss sich einige Mühe geben, um glaubwürdig zu bleibe. Darüberhinaus tragen die Kameraführung von Judith Kaufmann ebensowie der Schnitt (Cutterin: Andrea Mertens) und die Instrumentalmusik von Max Richter und Stéphane Moucha dazu bei, dass der Film doch ziemlich langatmig daher kommt.

    Fazit: Recht gelungenes, ausgewogenes Arthouse-Debüt mit guter Besetzung, ziemlich langsam inszeniert und mit einem dann doch überraschendem, ziemlich fiesem Ende.

    Julia Nieder






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